Dhyana und Samadhi

Wie wir gesehen haben, ist Yoga mehr als gymnastische Übungen auf der Matte. Auf dem achtgliedrigen Pfad des Patañjali sind die letzten beiden Schritte die Meditation und ein nebulöser Zustand, den man innere Freiheit nennt. Beides sind Zustände, die man nur passiv erfahren und kaum beschreiben kann.

Dhyana und Samadhi

Dhyana ist der siebte Schritt auf dem Weg zu Samadhi. Es ist Versenkung, Innenschau und Meditation – die Gedanken hören einfach auf und das Ego tritt beiseite, es kann Stille entstehen. In diese Gedanken-Leere kann jetzt die Quelle, das universelle oder schöpferische Prinzip einfließen und erkannt werden. Das ist dann der Zustand, den man als Samadhi bezeichnet. Ihn erfährt jeder für sich und ist so unbeschreiblich, dass man es nicht in Worte fassen kann. Wie auch, wenn man noch nicht mal mehr Gedanken hat, woher sollen dann die Worte kommen?

Yogasutra 3.2
Der stetige, ununterbrochene Strom konzentrierter Aufmerksamkeit ist Meditation.

Yogasutra 3.3
Wenn der Gegenstand der Meditation allein zum Leuchten gebracht wird, (so dass er als Subjekt erscheint,) geht (dem Meditierenden das Bewusstsein) seiner eigenen Identität verloren.
(Beide übetragen von B. K. S. Iyengar in „Der Urquell des Yoga“)

B. K. S. Iyengar „Der Urquell des Yoga“

B. K. S. Iyengar Urquell des Yoga © O. W. Barth

B. K. S. Iyengar Urquell des Yoga © O. W. Barth

Auch B. K. S. Iyengar hat Patañjalis Yoga Sutras übertragen und für seine  Schüler begreifbar gemacht. „Der Urquell des Yoga“ ist wie alle seine Bücher sehr verständlich geschrieben und es macht Spass, tiefer in die Yoga-Philosophie einzusteigen. Die Klarheit seiner Ausführungen ist hilfreich, er nimmt einen mit in das Wunder von Yoga. Ich bin wieder sehr begeistert und neu inspiriert. Für den Yoga-Anfänger empfehle ich B. K. S. Iyengars „Baum des Yoga“, das erste Buch, das mir meine Yoga-Lehrerin damals ans Herz gelegt hat. Es ist leider vergriffen und wird wohl nicht wieder aufgelegt. „Licht fürs Leben“ soll aber das Nachfolgewerk sein, ebenfalls ein Grundlagenwerk, das auf nachvollziehbare Weise alles über Yoga erklärt.

Meditation und innere Freiheit

Allein die Meditation schafft eine innere Ruhe, die unbezahlbar ist. Ein Gefühl von Ausgeglichenheit, die sich einstellt, wenn man regelmäßig übt. Der Zustand von Samadhi, die reine innere Freiheit, gibt den Blick frei auf das Absolute. Diese Schau des Absoluten kann man nur passiv und in diesem besonderen Zustand erfahren. Man kann das hinterher oft nicht abrufen. Wozu auch? Denn trotzdem ermöglichen einem diese kurzen Einblicke, andere Entscheidungen im Leben zu treffen oder nicht mehr so viel zu planen und zu grübeln. Man lernt zu sein und anzunehmen, was  ist. Die schönen Dinge genauso wie die üblen, denn was man nicht ändern kann, kann man zumindest akzeptieren lernen. Im Idealfall findet man in problematischen Situationen einen geeigneten Umgang zum Besten aller Beteiligten.

Und was macht der Geist solange?

Was passiert mit dem Geist im Zustand von Dharana, Dhyana und Samadhi? In der vollen Konzentration, Dharana, verbindet sich der Geist mit einem Objekt und nimmt dessen Form an und wird eins mit ihm. Man vergleicht den Geist dann oft mit Wasser, das die Form des Gefäßes annimmt, in dem es sich befindet. In der Meditation lässt der Geist dann sogar diese Form los, der Geist ist frei, das Gefäß ist leer: Jetzt kann der Geist in diesem Zustand, in Samadhi, mit der Essenz gefüllt werden. Im Yoga ist das Erkenntnis, die Buddhisten nennen es Erleuchtung. Erkenntnis ist das Wissen um die Zusammenhänge, das große Ganze, dass alles eins ist. Wir sind nicht getrennt von dieser Quelle, der Essenz, wir müssen nur den Geist ruhig werden lassen, um sie zu erfahren. Und Yoga weist den Weg!

2 Antworten zu “Dhyana und Samadhi

  • wow, das will ich auch mal erleben.
    es ist aber noch nicht die höchste stufe, oder?

    das ist doch „oneness“, wenn es kein ich und du, kein innen und außen und so gibt..?

    Liebe Grüße mit einer Empfehlung: https://batgap.com/

    • Annette Bauer
      3 Jahrenvon

      Doch, Samadhi oder Erkenntnis gilt im Yoga als das, was Du „oneness“ nennst. Ich denke ja, bei jedem Aha-Erlebnis habe ich eine Erkenntnis und werde recht häufig erleuchtet. Aber das geht wohl doch nicht so einfach…

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