Yoga-Tradition: Bhakti, Karma, Hatha & Raja

Manchmal werde ich gefragt, in welcher Yoga-Tradition ich unterrichte. Meist meint man damit die Schule, aus der man kommt. Ich benenne dann meine Lehrer, aber am Ende ist es Annette-Yoga. Yoga-Tradition bezeichnet eigentlich das Erlernen von überlieferten Ritualen und das Studium der Schriften, das aber nur mit eigenen Erfahrungen zum Leben erweckt wird.

Was gibt es für Yoga-Traditionen?

Früher hat man in einer Reihe von Lehrern gestanden und das Wissen wurde von Generation zu Generation weitergegeben. Man achtete auf Genauigkeit in der Weitergabe der Yoga-Tradition, um sicherzustellen, dass das Wissen nicht verloren ging. So wurde der Yoga-Schüler über mindestens zehn Jahre bei seinem Lehrer, dem Guru, ausgebildet und erlernte die acht Glieder des Yoga durch eigene Erfahrungen. Heute kann man in zwei Wochen die Ausbildung zum Yoga-Lehrer absolvieren und soll befähigt sein, zu lehren. Möglich, dass einige dazu in der Lage sind, da sie im Leben schon etwas herumgekommen sind. Natürlich kann man Wissen kompakt aufbereiten, reduzieren und hoffen, dass die weitere Lektüre ausreichen wird, um niemanden zu verletzen. Was zählt sind am Ende aber die eigenen Erfahrungen. Zeit haben heute dafür immer weniger Menschen.

Yoga-Tradition: Bhakti, Karma, Hatha & Raja

In der Bagavad Gita erfährt man von Gott Krishna, auf welchen Yoga-Wegen oder Yoga-Tradition man zu ihm zu gelangen kann. Er benennt für den Krieger Arjuna Bhakti, Karma, Jnana und Raja Yoga. Sie gelten als die klassischen Yoga-Traditionen, doch gibt es natürlich wesentlich mehr. Hatha Yoga gilt bei uns als körperlicher Yoga, der für die Körper-Geist-Balance zuständig sein soll. Doch wurde die Form des Hatha Yoga vor allem durch Patañjalis Yoga Sutra und die Hatha Yoga Pradipika überliefert: Hatha Yoga gelingt danach nicht ohne Raja Yoga und umgekehrt.

Raja Yoga

Raja bedeutet „königlich“. Das Yoga Sutra ist ein philosophisches Werk und beschreibt im achtgliedrigen Pfad diesen königlichen Weg: Es geht darum, den Geist zu beruhigen, um klar unterscheiden zu können, und mündet nach dem Rückzug der Sinne, Konzentration auf ein Meditationsobjekt und der Verschmelzung mit diesem Objekt in Samadhi. Meditation ist also der Königsweg des Yoga.

Jnana Yoga

Jnana Yoga gilt als Yoga des Wissens, der Intelligenz des Menschen kommt dabei die größte Bedeutung zu. Durch Wissen und Erfahrungen gelangt man zu Einsichten und Erkenntnissen und in Kombination mit Intelligenz kann daraus Weisheit entstehen. Das besondere an dieser Richtung ist, dass sie alle anderen Philosophien und Religionen einbezieht und anerkennt. So kann man sich aus verschiedenen Denkrichtungen den großen Fragen des Lebens nähern. Unwissenheit gilt als Wurzel allen Übels in der Welt, Unterscheidung (Viveka) hilft sie zu überwinden.

Karma Yoga

Das selbstlose Dienen nennt man Karma Yoga in der Yoga-Tradition. Alle Handlungen haben Konsequenzen; selbst wenn man nicht handelt, wird man ein Ergebnis bekommen. Deshalb ist es wichtig, sich ganz genau zu überlegen, was man wie tut, um das bestmögliche Ergebnis nicht nur für sich, sondern alle Beteiligten zu erzielen. Wo ich jetzt bin, ist die Konsequenz aus meinen früheren Taten. Selbstloses handeln zahlt sich am Ende aus und man beeinflusst eine günstigere Wiedergeburt oder löst sogar alles angesammelt Karma auf, um dann direkt bei Gott Krishna zu landen. Die Erlösung aus dem Kreislauf der Wiedergeburten ist das Ziel.

Bhakti Yoga

Man nennt Bhakti Yoga auch den Yoga des Herzens oder der Hingabe. Man kann den Herzmuskel genauso trainieren wie den Körper beim Hatha Yoga. Im Bhakti Yoga geht es darum, Gott oder das Göttliche in jedem Wesen zu erkennen, und das kann man üben, indem man gelassen annimmt, was in dieser Situation gerade ist. Daraus kann die Akzeptanz entstehen, alle Wesen gleich zu lieben. Bedingungslose Liebe kann loslassen, freut sich für alle andere Menschen gleich, auch wenn das kleine Ego es gern anders hätte. Das Ego kann überwunden werden. Es ist kein leichter Yoga Weg, aber er soll direkt zu Gott Krishna führen, da man ihn ja in allen Wesen und Dingen verehrt.

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