Wie der Yoga in den Westen kam

Nein, nicht „Rio Bravo“ mit John Wayne, aber doch spannend, wie der Yoga den Westen vor Jahrhunderten eroberte. Sein Siegeszug ist bis heute nicht zu stoppen.

Wie der Yoga in den Westen kam

Einen Austausch mit Indien gab es bereits über die Handelswege zur Zeit der alten Griechen, deren Philosophie davon beeinflusst wurde. Alle möglichen Nationen haben versucht, Indien zu erobern, am Ende haben die Briten das Rennen gemacht. Anders herum haben sich die Philosophien des Hinduismus, Buddhismus und Jainismus überall ausgebreitet. Schon im 18. Jahrhundert lasen deutsche Philosophen indische Schriften und lernten Sanskrit: Schelling übersetzte die Bhagavad Gita und Goethe interessierte sich für die indischen Kultur.  Im 19. und 20. Jahrhundert waren es dann Schopenhauer, Nietzsche und Hesse.

Sehnsucht nach Spiritualität

Der indische Swami Vivekananda wurde von seinem Meister Ramakrishna eingeweiht und bracht auf dessen Wunsch hin Yoga in den Westen. Er sprach dazu 1893 auf dem Weltparlament der Religionen in Chicago und machte die indische Philosophie, vor allem die Vedanta, und die indische Spiritualität dem westliche Publikum bekannt. Und da kam die Frage auf: Wieso haben wir im Westen alles für die Wissenschaft aufgegeben? Gut, wir haben ein besseres körperliches Leben, Konsum und Wirtschaft, aber wo bleibt der Sinn im Leben? Und dann begann der plötzliche Run auf Spiritualität.

Yoga im 20. Jahrhundert

Einen weltweiten Boom erlebte Yoga in der Mitte des 20. Jahrhunderts. Durch einige Studenten von Sri T. Kirshnamacharya  verbreitete er sich im Westen. In den späten 1940er Jahren begann Indra Devi, Asana in Hollywood-Kreisen zu unterrichten, wo sie für einige Jahrzehnte blieb und später zwischen Mexiko und Kalifornien pendelte, bevor sie 1982 nach Argentinien ging. 1966 veröffentlichte BKS Iyengar das Buch „Licht auf Yoga“, einen umfassenden Leitfaden für die Asana Praxis. In den 1970er Jahren begann K. Pattabhi Jois sein Ashtanga Yoga in den USA und Australien zu unterrichten. Yogi Bhajan brachte 1968 Kundalini Yoga nach Kalifornien.

Suche nach Befreiung

Der Wunsch nach Spiritualität ist die Suche nach Befreiung. Befreiung von wem oder was? Mit der weltweiten sogenannten Studentenrevolte Ende der 1960er Jahre wurden alle Klassen, Schichten und Hierarchien in Frage gestellt. Es gab nicht nur eine Black Power Bewegung, die Frauenbewegung und Anti-Kriegs-Demonstrationen, alles wurde hinterfragt. Ein zutiefst yogisches Vorgehen! Dadurch konnten sich Räume öffnen für neue Ideologien, Praktiken und Erfahrungen. 1967 wurde ebenfalls der Berufsverband der Yogalehrenden in Deutschland gegründet. Die Beatles fuhren nach Indien, Osho kam nach Kalifornien, bis dann Madonna Yoga zur allgemeinen Popkultur erhob: Yoga ist für alle.

Yoga heute

Immer mehr Menschen fühlen sich inzwischen überwältigt von der Geschwindigkeit des Lebens, ohne feste philosophische Tradition, ohne Gradmesser für die Überprüfung ihrer Zweifel. So sorgt die neue Freiheit von rigiden kulturellen Strukturen aber leider auch für innere Unruhe. Die Menschen suchen Antworten. Das Ergebnis sind verschiedene Yoga-Strömungen, die unterschiedliche Menschen erreichen. Inzwischen ist durch und mit Yoga ein riesiges Business entstanden, das den Kapitalismus oft eher unterstützt als ihn in Frage zu stellen. Es wird Zeit für eine erneute Weiterentwicklung.

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