Wohin geht die Reise? Der 6. Kondratjew-Zyklus (1)

Versuchen wir einen Blick in die Glaskugel: In einer dreiteilige Artikelserie auf Grundlage der Kondratjew-Zyklen erkunde ich, wie Yoga den derzeitigen Kulturwandel positiv begleiten kann. Wohin geht die Reise?

Weltkonjunktur nach Nikolai D. Kondratjew

Im 19. Jahrhundert schaute sich Nikolai D. Kondratjew die Daten der Weltkonjunktur der vergangenen Perioden an und konnte dabei feststellen, dass sie regelmäßigen Schwankungen unterworfen ist. Das war damals immerhin eine neue Erkenntnis, die er 1926 publizierte: Die Wellen eines Aufschwungs sind in Zeitabschnitte von etwa 40 bis 60 Jahren einteilbar. Zu Beginn liegt ihnen immer eine Erfindung oder neue Verfahrensweise zugrunde, so Kondratjew, die den Aufschwung auslösten. Dadurch konnten Wachstumsbarrieren überwunden und die Produktivität jeweils noch weiter gesteigert werden. Professor Leo A. Nefiodow bezeichnete diesen Erkenntnisgewinn in einem Vortrag als „Kondratjew-Zyklus“ und seitdem machte der Begriff unter Wirtschaftswissenschaftlern die Runde.

Wirtschaftszyklen einordnen

Zu den Auslösern der vergangenen Aufschwünge zählen beispielsweise Erfindungen wie die Dampfmaschine, Eisenbahn und Dampfschifffahrt, der Ausbau des Bergbauwesens und die Erfindung der Telegrafie. Im 20. Jahrhundert wurde die Welt in den 30er Jahren umfassend elektrifiziert, der Verbrennungsmotor und die Autos machten die Menschen individuell mobiler und die Entdeckungen in der Chemie brachten die Kunststoffindustrie voran. Das führte in jeder Welle zu einer größeren Produktion von Gütern und zu erhöhtem Konsum. Die letzte Welle wurde durch Innovationen in der Telekommunikationstechnik (Internet und Handys) ausgelöst. Und jetzt wird’s spannend:

Wohin geht die Reise? Der 6. Kondratjew-Zyklus (1)

Bisher war in den Industrieländern der wichtigste Faktor für das Wirtschaftswachstums die Produktivität. Mehr arbeiten, brachte auch mehr und die Maschinen wurden ausgefeilter. Allerdings scheint der Mensch am Rande seiner Kapazitäten angekommen zu sein: Das führt seit Ende des letzten Jahrtausends zu einem Umdenken, mehr in die Menschen zu „investieren“. Will man das verstehen, braucht es nicht noch mehr Wirtschaftswissenschaftler, sondern gesunden Menschenverstand und Mitgefühl.

Gesundheit als neue Ressource

Überlegen wir mit Kondratjew was diese Entwicklung zu Beginn dieses 6. Zyklus ausgelöst hat, finden wir Themenfelder wie Gesundheitswirtschaft, Biotechnologie und die psychosoziale Gesundheit. In diesem Fall sind nicht die „materiellen“ Erfindungen oder Techniken der Auslöser, sondern menschliche Faktoren und ganzheitliche Gesundheit. Alternative Therapien der sogenannten komplementären Medizin werden zu wirtschaftlichen Schwergewichten im Gesundheitssektor. Dazu gehören neben den Naturheilverfahren und bekannten andere Therapierichtungen auch Yoga, Ayurveda und Yogatherapie.

Auf der nächsten Ebene und genauso wirtschaftlich wichtig, findet man Fitness, Wellness und Gesundheitstourismus, Ernährung (beispielsweise bio und vegan), Recycling und Umweltschutz. Die Bundesregierung weiß, dass die Pflege und Hege der Mitbürger nicht mehr allein durch Steuergelder und Krankenkassen zu finanzieren ist. Es gibt inzwischen Gesetze, um die Krankenkassen und Unternehmen in die Pflicht zu nehmen: Sie sollen die private und berufliche Prävention fördern.

Was das für unsere Kultur bedeuten kann, lesen Sie in der Fortsetzung in Teil 2.

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