Wie kann man nachhaltig Yoga üben?

Es ist eine ernüchternde Erkenntnis, dass eine Stunde Yogaüben nicht nachhaltig ist, um die Gelassenheit in den Alltag zu übertragen. Wie das geht, hat uns Patañjali mit den fünf Yamas und den fünf Niyamas verraten.

Fünf Yamas

Nach einer Stunde Yoga-Unterricht beginnt der eigentliche Yoga, nämlich im Alltag: Das sind die restlichen 23 Stunden des Tages. Wie behandle ich mich und die Menschen um mich herum? Dabei kommen die Regeln Patañjalis, die Yamas und Niyamas, ins Spiel. Die fünf Yamas sind gesellschaftliche Verhaltensregeln und beziehen sich auf das soziale Umfeld. Sie ähneln zwar unseren zehn Geboten, sind aber subtiler, weil auf Selbstreflexion ausgelegt: Bin ich in meinem Verhalten und meinen Worten gewaltfrei (Ahimsa) und ehrlich (Satya) gegen andere Wesen und mich selbst? Kann ich von mir sagen, dass ich nicht Dinge und Ideen von anderen stehle (Asteya) und am Ende zu viel anhäufe und horte (Aparigraha)? Und die Regel, die man immer mit dem Asketen in der Höhle verbindet: Das Wandeln im Einklang mit dem Urgrund (Brahmacharya) heißt, ein rechtes Leben zu führen. Wie passt das zu einem yogischen Dasein im Westen?

Fünf Niyamas

Die fünf Niyamas sind Verhaltensregeln wie man mit sich selbst umgehen sollte. Mit Sauca geht es um körperliche und geistige Reinheit oder Hygiene des Körpers und der Gedanken. Man sollte Yoga und das Leben mit einer gewisse Genügsamkeit (Samtosha) leben, also mit Gelassenheit annehmen. Annehmen, was gerade kommt und was ist. Tapas bedeutet Hitze, Energie und ist die innere Disziplin und Ausdauer mit der ich täglich übe und atme, oder was ich esse, um nicht noch mehr Mist in meinem Körper anzusammeln. Mit Svadhyaya widmet man sich dem Selbststudium durch das genaue Betrachten des eigenen Verhaltens. Dazu kann man Anregungen aus Büchern beziehen, durch die Anleitung eines Lehrers, aber vor allem durch Selbstreflexion. Das fünfte Niyama rundet alles durch Loslassen ab: Man übt sich in Ishvara Pranidhana, dem Vertrauen und Wissen, dass am Ende alles nachhaltig gut wird, weil es eine höhere Ordnung gibt. Diese muss man anerkennen, um sich wirklich im Loslassen zu üben. Das ist, einfacher gesagt, das (Gott-)Vertrauen ins große Ganze, frei nach dem Motto: „Der Kutscher kennt den Weg.“

Die Anwendung der Yamas und Niyamas

Die Yamas und Niyamas werden nicht nacheinander abgearbeitet, man befragt sich regelmäßig immer wieder selbst: Bin ich ehrlich? Vertraue ich darauf, dass alles gut wird, oder bin ich schon wieder mit großen Erwartungen und Hoffnungen völlig unentspannt? Habe ich aus Langeweile schon wieder etwas Ungesundes gegessen? Das führt zu Trägheit im Körper und Geist und ist kontraproduktiv. Als Regel hilft mir: Denk nach, bevor Du etwas sagst oder tust! Ein anderer hat sicherlich andere Herausforderungen im Leben und eigentlich will doch jede*r nur geliebt werden! Die Yamas und Niyamas helfen und hinterfragen die Menschen auf unterschiedliche Weise beim Yoga im Alltag. Diese zehn Regeln oder Übungen führen zu Genügsamkeit, Dankbarkeit und sind Grundtugenden, die jede*r beherrschen sollte.

Der Weg der Erkenntnis

Das höchste Ziel im Yoga ist Erkenntnis und dazu haben wir doch eigentlich jeden Tag Gelegenheit: Manchmal ignorieren wir zwar die Impulse, die uns das Leben anbietet. Dennoch gehen wir den Weg der Erkenntnis weiter, ob wir wollen oder nicht. Jeden Tag. Ich verrate Ihnen etwas: Mit etwas mehr Aufmerksamkeit wird das dann auch noch richtig spannend, es gibt so viel zu entdecken: Yoga ist schließlich eine nachhaltige (!) Abenteuerreise zu sich selbst! Und plötzlich ist jeder Tag ein Abenteuer. Nun kann man die Yamas und Niyamas genauso wie das ganze Yoga Sutra nicht so einfach verstehen, indem man es einfach liest. Dabei helfen Autoren wie Anna Trökes oder Ralph Skuban. Ich persönlich ziehe aber eine Diskussion mit echten Menschen in einem Philosophie-Unterricht vor. Da bleibt bei mir mehr hängen.

Wie kann man nachhaltig Yoga üben?

Also jetzt konkret zur Frage: Wie kann man nachhaltig Yoga üben? Im Yoga Sutra stehen die Yamas und die Niyamas noch vor den anderen sechs Gliedern, die zum Yogaweg gehören. Das bedeutet, dass diese zehn regeln erst mal erfüllt sein müssen, bevor jemand durch Haltungen (Asanas), Atemübungen (Pranayama) und den Weg zur Meditation die Erkenntnisse über das Sein in Samadhi erlangen kann. Vorbereitung ist nötig um das Geschaute einordnen und verkraften zu können. Manche Leute nehmen Drogen als Shortcut zur Erleuchtung und suchen dann ihr Leben lang nach dem eigentlich weg. Das muss uns nicht passieren, Patañjali sei Dank!

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