Was soll Meditation bewirken?

Bei der Lösung der Frage, was Meditation bewirken soll, bin ich auf drei ungewöhnliche Bücher gestoßen: „Die innere Ruhe kann mich mal“ von Fabrice Midal, „Die Weisheit der Wale“ von Steffi Schroeter und „Achtsam in drei Atemzügen“ von Doris Iding.

Meditation radikal anders

Jedes der drei Bücher bietet ein wunderbar anderen Blick auf Meditation. Wenn es um Meditation geht, denken viele an Ruhe, Tiefe und Achtsamkeit. Dass wir uns aber auf uns selbst besinnen müssen, ist vielen dabei nicht klar. Es geht nicht um Regeln und Anleitungen von außen, sondern um das Besinnen auf sich selbst. Das kann hart sein: Die Ruhe auszuhalten und abzutauchen in die Tiefe hin zu alltäglicher Achtsamkeit. Die Bücher sind dabei radikal anders: „Die innere Ruhe kann mich mal“ von Fabrice Midal sagt schon alles. Besonders nachdenklich hat mich „Die Weisheit der Wale“ von Steffi Schroeter und „Achtsam in drei Atemzügen“ von Doris Iding gestimmt.

Wie Meditation wirklich gelingt

Cover, "Die innere Ruhe kann mich mal" von Fabrice Midal © dtv Yogannetteblog.de

„Die innere Ruhe kann mich mal“ von Fabrice Midal © dtv

Leider folgen wir auch bei der Meditation Regeln, statt endlich mal loszulassen. Das erklärt der Titel: „Die innere Ruhe kann mich mal: Meditation radikal anders“ von Fabrice Midal. Er ist französischer Philosoph, Schriftsteller und Gründer der École occidentale de méditation (Westliche Meditationsschule). Mit den äußeren Regeln frustrieren wir uns nur selbst, denn die Gedanken lassen sich nicht „abschalten“. Zusätzlicher Erfolgsdruck und Perfektionismus wirken zusätzlich störend, denn Meditation ist kein Mittel zur Selbstoptimierung. Auf ungewohnt lockere Art führt Midal durch fünfzehn Anleitungen zur Meditation, fußend auf buddhistischen Prinzipien. Besonders wichtig ist es ihm, dass jeder damit seinen eigenen Weg findet und sich befreit von Vor- und Urteilen, um zu mehr Ruhe zu gelangen. Das ewige Vergleichen hat ein Ende!

Abtauchen in die Tiefe, weg von der Oberfläche

Cover, "Die Weisheit der Wale" von Steffi Schroeter © bene! droemerknaur; Yogannetteblog

„Die Weisheit der Wale“ von Steffi Schroeter © bene! droemerknaur

Die persönliche Faszination der Autorin für die großen Tiere besteht seit ihrer Kindheit: Wale versinnbildlichen die Bewegung hin zu mehr Tiefe und Ruhe. Das Abtauchen weg von der Gesellschaft, der Oberfläche (oder Oberflächlichkeit) bringt uns erst wieder zu uns selbst. Diese Ruhe muss man aushalten können, denn dann fangen die Stimmen im Kopf an zu schnattern, und wir können hören, was uns unterbewusst, also in der Tiefe, umtreibt. Was viele von Meditation erwarten, dass sich sofort Stille einstellt, geschieht erst nach langem Üben. Sich den eigenen Gedanken und Gefühlen zu stellen, ist der eigentliche Kern einer Meditationspraxis. „Die Weisheit der Wale“ von Steffi Schroeter bietet einen ungeahnt Blick auf Ruhe, Tiefe und Achtsamkeit: Nur so kann es im Alltag gelingen, indem ich mich zurückziehe und in die Tiefe gehe.

Ruhe, Tiefe und Achtsamkeit

Vernachlässige ich den Kontakt zur Natur und zur Stille, werde ich krank. JEDER sollte ab und zu abtauchen, um Stärke und Resilienz aufzubauen. Nur im Kontakt mit mir selbst finde ich die Orientierung, die ich für gesunde Entscheidungen benötige. Steffi Schroeter führt in ihren Coachings und als Autorin Menschen zu mehr Klarheit durch die Natur Bornholms. Das passt zu ihrem Buch, das allein schon Ruhe bringt. Am “Jomfrugaard”-Strand an der Südküste der Insel sei ein „Ort, an dem mich einfach alles berührt: die Wildheit, die Wellen und der karibisch weiße Sand. Ein Ort, der mir immer wieder Kraft gibt“, so Schroeter. Die Sehnsucht vieler Menschen nach einer Quelle der Kraft, nach Entschleunigung und Stille ist vorhanden, sie wissen nur oft nicht wie sie dahin gelangen. Ihr Anliegen ist daneben mehr Bewusstheit im Umgang mit Müll und Plastik zu schaffen, um die Meere und damit die Wale zu retten.

Was soll Meditation bewirken?

"Achtsam in drei Atemzuegen" von Doris Iding © Irisiana; Yogannetteblog.de

„Achtsam in drei Atemzuegen“ von Doris Iding © Irisiana

Von Achtsamkeitslehrerin Doris Iding kommt die Kunst der Entspannung: „Achtsam in drei Atemzügen: Einfache Übungen in Gelassenheit für Ruhelose“. Für mehr Achtsamkeit und weniger Stress bietet sie im gleichnamigen ersten Kapitel sechs heilsame Haltungen an:

  1. Alles, was ist, darf sein
  2. Kultiviere Geduld
  3. Offen werden, neugierig bleiben
  4. Erwartungen loslassen
  5. Werte leben
  6. Dankbarkeit kultivieren

Achtsamkeit findet mit jedem Atemzug statt, zur Unterstützung geht man am besten in Resonanz mit der Natur. Das geht in die gleiche Richtung wie Waldbaden oder im oben beschhriebenen Buch. Durch das ganze Buch ziehen sich Übungen mit drei Atemzügen in Achtsamkeit. Im letzten Kapitel geht es um Meditation im Sinne vom Daodejing (oder Tao-Te-King):

„Sei leer, sei ruhig.
Sieh zu, wie alles kommt und geht.
Es kommt aus der Quelle und kehrt dorthin zurück.
Das ist der Weg der Natur.“

Wenn nicht jetzt, wann dann?

Wer glaubt, keine Zeit dafür zu haben, wird eines besseren belehrt: Das Ziel ist es, in drei Atemzügen im Moment anzukommen. Und das kann doch jeder, oder? Für viele ist das Sitzen in Stille eine Qual, denn der stressige Alltag hält sie von einer regelmäßigen Meditationspraxis ab. Übt man jedoch diese drei Atemzüge, kann man auch mitten im Trubel zu sich kommen. Der Anfang ist gemacht! Meditation kein Mysterium und die Autorin lädt zum eigenen Ausprobieren ein. Wirklich schön sind auch die Übungen zur Körperwahrnehmung, denn auch sie sind zwischendurch machbar. Doris Iding kennt die Hürden bei der Meditation offensichtlich aus eigener Erfahrung: „Im Moment der Ruhe wirst du bemerken, wie sehr dein ganzes Leben von Gedanken bestimmt wird, die sich zu Geschichten ausformen, von inneren Monologen, die dir weismachen wollen, wie mittelmäßig du bist, wie ungerecht das Leben zu dir ist und welche Dramen dich noch erwarten.“ Sie identifiziert hier den „innere Antreiber“ und die negativen Gedanken, die uns darin hindern, Freundschaft mit uns selbst zu schließen. Das Buch macht Mut!

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