Was ist Gelassenheit?

Gelassenheit ist eine anmutige Form des Selbstbewusstseins. Sie gilt als eine hohe Tugend und das kommt von tun: Etwas praktizieren, um einer Sache selbst willen. Nicht um irgendetwas zu erreichen ist man tugendhaft, also gelassen, sondern als Selbstzweck. Yoga ist beispielsweise so ein Selbstzweck.

Was ist Gelassenheit?

Indem man Yoga als Selbstzweck übt, wird es erst zu Yoga. Wenn man schlanker oder beweglicher werden möchte schadet es nicht, aber es ist nicht das Ziel von Yoga. Man macht Yoga um des Yoga willen. Genauso ist es mit der Gelassenheit. Möchte man gelassener sein, muss man Gelassenheit praktizieren.Das hört sich vielleicht merkwürdig an, funktioniert aber genauso: „Es gibt nichts Gutes, außer man tut es.“ (Erich Kästner)
Was ist also nun Gelassenheit genau? Dazu gehört es, zu akzeptieren, was ist. Das bezieht sich auf Situationen und Menschen, aber in Zeiten der ewigen Selbstoptimierung auch auf sich selbst. Sich selbst so annehmen, wie man ist. Das kann eine der schwersten Aufgaben darstellen. Dazu gehört es, nicht perfekt sein zu wollen und nicht immer alles alleine schaffen zu müssen. Die Gesellschaft möchte uns gern als Einzelkämpfer sehen, dann sind wir leichter steuerbar. Sind wir aber mit anderen zusammen, unterhalten uns über unsere Probleme, können wir feststellen, dass es anderen genauso ergeht. Gemeinschaften verbinden und wir lernen entspannter, miteinander umzugehen. Das ist der zweite wichtige Faktor: Loslassen, entspannen, gehenlassen = Gelassenheit.

Seelenruhe im Alltag finden

Beim nächsten Problem kann man sich ja mal überlegen, ob es schon andere Menschen gab, die diese Situation gemeistert haben, und sie einfach um Hilfe bitten. Mehr als ein Nein kann man nicht bekommen, doch mit hoher Wahrscheinlichkeit wird einem geholfen. Deshalb ist es wichtig, Gemeinschaften zu pflegen, indem man etwas ohne Bezahlung  oder ein Lob zu erwarten für  andere tut: Wie wäre es mit einem Ehrenamt? Ob als Schöffe am Gericht, beim Kirchenbazar oder in der Kinder- und Seniorenbetreuung, es gibt unendlich viele Möglichkeiten, anderen zu helfen. Selbst wenn man nur der Nachbarin zuhört oder einer Kollegin ein nettes Wort sagt. Das ist die dritte wichtige Lektion: Demut gegenüber allen anderen Lebewesen entwickeln, um zu erkennen, wir gehören alle zusammen.

Es lassen: Demut führt zu Gelassenheit

Hat man sich mit der Demut angefreundet, ist der nächste Schritt, sich einer höheren Macht zu überantworten. Man erkennt an, dass man Teil eines Ganzen ist, und man nicht die Kontrolle hat. Dann fällt es leichter, sich zu entspannen, leer zu werden im Innern, die Gedanken zur Ruhe zu bringen. Klar, das ist Meditation, aber man kann sich über Demut und Gelassenheit leichter darauf einlassen, um dann loszulassen. Ist der Geist leer, vertraut man sich etwas Höherem als man selbst an. Man ist im Augenblick angekommen. Gelassenheit ist nicht zu verwechseln mit Nichtstun oder gar Faulheit. Es ist ein bewusstes Abgeben von vermeintlicher Kontrolle, ein Anerkennen, was tatsächlich ist. Wach uns entspannt zugleich, sthira sukham. Das ist sogar ein sehr klarer Zustand.

Und dann noch: Heitere Gelassenheit

Ja, das ist nun die Königsdisziplin: Heitere Gelassenheit. Nicht  nur entspannt im Angesicht von Unwägbarkeiten, klar und besonnen im Hier und Jetzt, sondern darüber hinaus fröhlich wie der Dalai Lama. Sich über einfach Dinge freuen wie ein Kind, teilhaben an der Freude anderer ohne neidisch zu sein, Freude schaffen durch ein freundliches Wort an einem grauen Tag. Je mehr man gibt, umso mehr erhält man zurück. Allerdings nur, wenn man gibt, ohne auf das Ergebnis zu schielen. Probieren Sie es doch einen Tag lang aus und schauen am Ende des Tages, wie es Ihnen damit ergangen ist. Ein schönes Experiment.

2 Antworten zu “Was ist Gelassenheit?

  • Sich selbst so annehmen, wie man ist. … Dazu gehört es, nicht perfekt sein zu wollen und nicht immer alles alleine schaffen zu müssen. Die Gesellschaft möchte uns gern als Einzelkämpfer sehen, dann sind wir leichter steuerbar. Sind wir aber mit anderen zusammen, unterhalten uns über unsere Probleme, können wir feststellen, dass es anderen genauso ergeht. Gemeinschaften verbinden und wir lernen entspannter, miteinander umzugehen.

    Liebe Annette, wie war diese Worte sind, weiß ich nur zu gut, und wenn ich mit anderen ins Gespräch komme, sind die grauen Wolken fast immer schnell verflogen. Aber gerade für das Auf-Andere-Zugehen muss ich mich oft sehr überwinden. Warum weiß ich nicht…

    • Annette Bauer
      3 Jahrenvon

      Interessante Frage. Ich werde mich diesem Thema annehmen und wenn mir etwas Gescheites einfällt gern etwas dazu schreiben. Bis dahin kann ich Dir nur nahelegen auch das immer wieder zu üben, üben, üben… Liebe Grüße!

Deine Meinung ist mir wichtig

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.