Vergiss die Suche nach der Berufung

Man sollte gar nicht immer wieder der Gralssucher nach seiner inneren Berufung suchen, sondern lernen loszulassen und zu unterscheiden. Das ist gar nicht so leicht.

Bewertungen loslassen

Im Grunde ist es eine einfache Formel: Glaubenssätze erkennen, Bewertungen loslassen und Unterscheidungsfähigkeit (Viveka) kultivieren. Dadurch kann man die Suche nach der Berufung vergessen, denn der eigene Weg (Dharma) wird sich wie von selbst entfalten. Es ist von größter Bedeutung, zu akzeptieren, dass man einem stetigen Wandel ausgesetzt ist. Durch diese Klarheit lernt man, die Situation so zu sehen, wie sie ist, und Leiden kann verhindert werden. Anstatt sich vorzustellen oder einzubilden, dass es anders wäre, schiebt man diese falschen Vorstellungen und Wahrnehmungen (Avidya) zur Seite und stellt sich der Erkenntnis:
Yoga Sutra 2.15 und 2.16
„Für den Unterscheidungsfähigen Menschen ist das Leiden allgegenwärtig.“
„Künftiges Leid kann vermieden werden.“

Vergiss die Suche nach der Berufung

Das eigene Dharma, die Aufgabe im Leben, beinhaltet die Erkenntnis von richtig und falsch. Das ist zum einen Teil persönliche Abwägung, zum anderen dockt man an die moralischen Grundsätze des Menschseins an. Menschsein kann nur funktionieren, wenn man dabei anderen nicht schadet, die Verantwortung für seine Handlungen übernimmt und Gutes tut. Das ist genauso wie mit Yoga: Er entfaltet sich in seiner vollen Dimension nur durch achtsam ausgeführte Übungen, ohne Achtsamkeit ist alles nur Gymnastik: unvoreingenommene Wahrnehmung und Unterscheidung. Denn nicht die Gedanken sind das Problem, sondern unsere Reaktionen auf sie.

Meditation als Selbstoptimierungs-Trip

Meditation bringt einem sich selbst näher. Man lernt durch den Abstand zum Alltag Unterscheidungsfähigkeit. Leider besteht zur Zeit die Gefahr, dass alles zu einem Selbstoptimierungs-Trip verkommt, damit wir noch belastbarer für den Alltag und den Job werden. Das ist nicht Sinn der buddhistischen Lehre von Achtsamkeit oder vom Dharma. Studien zeigen, dass durch regelmäßige Meditation die Konzentrationsfähigkeit erhöht, das Immunsystem gestärkt und Stress reduziert werden kann. Es verändern sich Hirnstrukturen und man lernt mit Depressionen, Ängste und Schmerzen umzugehen. Dabei lernt man zu unterscheiden, dass ich nicht dieser Schmerz, die Angst, die Depression bin. Die Identifizierung wird zugunsten einer gesunden Distanz entschärft.

Der Weg und die Aufgabe liegen vor dir

Meditation öffnet den Weg zu folgenden Fragen: „Wie war ich als Kind, und welchen Rat würde ich mir selbst als 8-Jährige geben?“ und „Wann fühle ich mich am Lebendigsten?“ und „Welche fünf Dinge, bringen mich sofort zum Lachen?“. Ich liebe diese Fragen und komme dann ganz schnell zu dem, was mir wirklich wichtig ist. Und das ist keine Selbstoptimierung, sondern das Gefühl von Dankbarkeit, durch das, was ich schon bin. Ich bin reich durch das, was ist. Berufung ist einfach nur Sein. Wie ist das bei Ihnen?

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