Vedanta

Die indische Philosophie und Yoga sind eng verknüpft. Wenn man tiefer in den Yoga einsteigen möchte, kann es hilfreich sein, sich damit zu beschäftigen. Heute setzen wir uns die Vedanta-Brille auf.

Zwei Bedeutungen des Vedanta

Das Wort bedeutet Veda „Wissen“, Vedanta „das Ende des Wissens“: Gemeint ist das Ende der geistigen Überlieferungen. Bevor man anfing alles aufzuschreiben, wurde Wissen durch Offenbarungen durch Innenschau der Weisen erlangt. Dieses Wissen wurde mündlich weitergegeben und erst später aufgeschrieben. Am Ende der vedischen Zeit stehen die Upanishaden, was soviel bedeutet wie „sich zu Füßen des Lehrers setzen“ und seinem Wissen lauschen. Auch in diesem Namen scheint wieder das Bild der mündlichen Weitergabe des Wissen auf. Aus dem Wort Vedanta, „Ende des Veda“, wurde später eine eigene philosophische Schule.

Vedanta als Darshana

Im Hinduismus gibt es sechs philosophische Systeme, genannt Darshanas. Advaita-Vedanta ist neben der Samkhya eine der bis heute bekannten Formen. Im Westen wurde der Advaita-Vedanta durch Swami Vivekananda (1863–1902) bekannt gemacht: Er war ein hinduistischer Gelehrter, der als erster Hindu vor dem Weltparlament der Religionen (World Parliament of Religions) im Jahre 1893 in Chicago auftrat und den Advaita-Vedanta vorstellte. Das löste einen ersten Yoga-Hype aus, der sich damals allerdings nur auf die Yoga-Philosophie bezog. Das kann man sich heute vielleicht gar nicht mehr vorstellen, das Yoga nicht-körperlich unterrichtet wurde.

Advaita Vedanta

Gedanken und Philosophien sind immer auf der ganzen Welt im Umlauf gewesen. Schon zwischen den alten Griechen und Indien bestand ein geistiger Austausch; und auch der Advaita Vedanta wurde durch die europäische Philosophie des 18. Jahrhunderts beeinflusst. Worum geht es? Advaita Vedanta betont die Einheit, die „Nicht-Dualität“, unseres Daseins. Wir sind nicht getrennt von Gott oder allem anderen, sondern alles ist eins. Die Advaita-Erfahrung der Einheit bedeutet Befreiung, Moksha: Man ist reines Sein, reines Bewusstsein und erlangt reine Glückseligkeit (sat-cit-ananda).

Atman und Brahman sind eins

Die individuelle Seele (Atman) ist eins mit der Weltenseele (Brahman), der Weg der Erkenntnis führt also über das Annehmen, was ist, denn alles ist eins und von Gott oder göttlich. Wissen und Erkenntnis helfen bei diesem Prozess, denn Nicht-Wissen (Avidya) entzweit (Dualität) und Wissen führt zusammen. Deshalb möchte man im Yoga nicht nur die Einheit durch körperliche Übungen mit dem Geist erreichen, sondern muss auch durch Selbststudium (Svadyaya) und Studium der Schriften Wissen erlangen, um den Schleier (Maya) des Nicht-Wissens von der individuellen Seele wegzuziehen. Erlösung durch Erkenntnis.

Jnana Yoga

Der Yoga, der sich diesem Weg verschrieben hat, nennt sich Jnana Yoga. Man widmet sich dem Studium der Schriften, analysiert deren Inhalt, um ihn für sich erfahrbar zu machen, und überprüft durch Meditation den Inhalt des Gelernten. Man kann auch Einheitserfahrungen auf anderem Wege erlangen. Wichtig ist jedoch immer die Überprüfungdes Wissens durch eigene Erfahrungen. Lernen bedeutet, seine Zweifel ernst zu nehmen und nur durch die eigene Erkenntnis kommt man sich selbst auf die Schliche!

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