Störende Neigungen auf dem Yoga-Weg: Kleshas

Wie man sich selbst oft durch die störende Neigungen auf dem Yoga-Weg ein Bein stellt ohne es zu bemerken und mit Hilfe vom Yoga Sutra dahinter kommt.

Blinde Flecken erkennen

Kennen Sie ihre blinden Flecken? Die fünf störende Neigungen sollte man kennen, wenn man auf dem Weg der Erkenntnis ist. Man nennt sie Kleshas (Yoga Sutra 2.2 bis 2.9). Sie sind in jedem von uns angelegt wie ein Unkrautsamen und sind unterschiedlich entwickelt. Sind sie noch klein kann man sie auch leichter ausrupfen, später verändern sie komplett unsere Sichtweise und wir sehen buchstäblich den Wald vor lauter Bäumen nicht! Yoga ist eine Methode, diese Hindernisse aufzudecken und wieder ins Bewusstsein zu holen. Denn nur wenn man den blinden Fleck erkennt, kann man ihn verändern. Beim blinden Fleck benötigt man dazu allerdings meist die Hilfe von anderen Menschen, die ein Feedback abgeben oder einen darauf hinweisen.

Störende Neigungen auf dem Yoga-Weg: Kleshas

Um nicht wie ein ferngesteuertes Wesen zu funktionieren und damit nicht jeder auf meinen Knöpfen herumdrücken kann wie es ihm beliebt, möchte ich doch die störende Neigungen durchschauen, oder nicht? Patañjali identifizierte diese für uns und bietet auch gleichzeitig an, dass zukünftiges Leid vermieden werden kann: Durch das Lösen von der Anbindung an das Objekt, löst man auch die Bindung an das Leiden. Dazu muss man differenzieren lernen, was diese Objekte sind, welche echt und welche nur Schein sind. Der achtgliedrige Pfad ist der Weg zur Erlösung oder sogar Vermeidung von Leid. Als frisch angetreten und Yoga geübt: Yamas, Niyamas, Asana, Pranayama, Pratyahara, Dharan, Dyana und Samadhi. In der Kunst der Unterscheidungsfähigkeit liegt der Schlüssel, Yoga reinigt den Geist wie ein trübes Glas, um die fünf Kleshas zu erkennen und zu überwinden:

Alle fünf Kleshas

Das oberste Klesha ist Avidya und bedeutet Nichtwissen oder falsches Wissen. Aufgrund von Erfahrungen handelt man immer wieder wie im Autopilot und hat gar nicht die Möglichkeit, sich anders zu verhalten. Die weiteren vier Kleshas sind tatsächlich nur die logische Folge von Unwissenheit: Asmita ist die falsche Identifizierung mit dem Ego, eine falsche Selbstannahme, aber auch Hochmut und Überheblichkeit. Beispielsweise könnte ich denken, bin sei witzig, meine Kollegen verdrehen aber die Augen, wenn ich wieder so richtig loslege. Und wenn ich das nicht merke, kann es der blinde Fleck oder die falsche Selbstannahme sein. Danach kommen die Kleshas Raga und Dvesha und das letzte Hindernis, auf das alles hinausläuf, ist die Furcht vor etwas: Abhinivesha ist die Wurzel aller Ängste. Die größte Furcht ist natürlich die Angst vorm Tod, und auch alle anderen Ängste können übermächtig werden, einen lähmen. Dabei formt nur unser Geist diese Angst und ist damit sehr machtvoll. Abhinivesha steht aber zudem für alle erdenklichen Unsicherheiten und Zweifel. Alle fünf Kleshas halten mich immer wieder davon ab, zu erkennen und richtig zu handeln. Mit etwas Abstand kann man sie erkennen und den bekommen wir durch Innehalten beispielsweise durch Meditation (Dhyana).

Dvesha und Raga

Zu den fünf Kleshas gehört neben der Abneigung (Dvesha) auch der Wunsch (Raga) nach etwas, es ist das Habenwollen. Ich mag kein Fleisch, aber dafür liebe ich Schokolade, oder ich mag jenen nicht, liebe aber diesen. Das kennt man von sich selbst wahrscheinlich nur allzu gut. Bekommt man nicht das, wonach man sich sehnt, entsteht ebenfalls Leid, genau wie bei der Abneigung. Je nach Raga oder Dvesha werden Entscheidungen im Leben gefällt; mit Yoga sucht man den Ausgleich und versucht, den ojektiven Blick zu schärfen und Abstand zu gewinnen. Die Übungen auf der Matte und mit anderen Menschen eröffnen die Möglichkeit, alles, was auf einen zukommt, mit Gleichmut anzunehmen. Ist die innere Haltung von Gleichmut geprägt, wird der Blick klar für die wesentlichen Dinge und Abneigungen und Vorlieben fallen von einem ab. Man liebt nicht mehr nur einen, sondern alle gleichermaßen, denn Liebe kennt keine Beschränkungen. Für nervige Mitbürger entwickelt man plötzlich Verständnis und die Beförderung, die man nicht erhält, bedeutet keine Enttäuschung mehr, weil man zufrieden ist: Man ist wunschlos glücklich, lebt mit sich im inneren Frieden.

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