Splatter-Königin Kali

Kali wird mit einer Totenkopfkette um ihren Hals dargestellt. In der einen Hand hält sie ein blutiges Schwert, in der anderen einen abgetrennten Kopf. Alles Splatter, oder was?

Kampf zwischen Göttinnen & Dämonen

Die berühmte Geschichte beginnt bevor es Kali gibt: Es herrscht ein Kampf zwischen Göttinnen und Dämonen, die die Erde vernichten wollen. Göttin Durga, die Mutter des Universums, führt diesen Kampf an. Dabei töten die Göttinnen viele bis auf den stärksten, Raktabija: Er ist riesig, ganz rot und mit Hörnern und Vampirzähnen bestückt. Jedes mal, wenn sie ihn versuchen zu töten, und dabei sein Blut auf den Boden fällt, entsteht ein neuer Raktabija! Durch ihre blanke Wut erschafft Durga aus ihrer Stirn die Göttin Kali. Sie kennen die pulsierende Stirnader bei manchen Menschen?

Splatter-Königin Kali

Auftritt Göttin Kali: Eine dunkle, nackte Frau, das Haar lang und zerzaust. Sie hat eine sehr lange Zunge, vier oder sechs Arme, drei Augen, ein blutiges Schwert und einen abgetrennten Kopf in den Händen. Im Kampf ist sie erbarmungslos und äußerst kreativ: Sie fängt einige der Dämonen mit ihrer Zunge ein, schluckt sie und tötet die anderen mit einem Schrei. Raktabija durchbohrt sie mit ihrem Schwert und fängt sein Blut mit ihre Zunge auf, damit es den Boden nicht berührt. Sie ist siegreich, hat Raktabija überwunden und vernichtet. Auf dem Schlachtfeld macht sie sich eine Halskette aus Dämonenschädeln, einen Rock aus abgetrennten Armen und vollführt einen Tanz auf Raktabija. Man soll seine Siege auch gebührend feiern!

Wilde, starke Weiblichkeit ist furchtlos

Kali steht für eine wilde, starke Weiblichkeit. Sie ist aber mehr, als man auf den ersten Blick sieht: Sie ist eine Superheldin. Es geschieht viel Leid auf der Welt, Zerstörung, Hunger und Krieg. Üble Dinge können wir direkt vor unserer Nase und im eigenen Leben beobachten. Wir stehen am Rande des Schlachtfeldes: Der Dämon Raktabija kommt in immer neuen Ausformungen wieder, egal wie oft man ihn ausgetrieben hat. Wenn wir das beobachten, müssen wir unsere innere Kraft (gern auch die Wut) aktivieren und einschreiten. Dabei müssen keine Köpfe rollen (nur im übertragenen Sinne, bitte), doch müssen wir aufhören, wegzusehen. Das ist ein Anfang. Und etwas sagen, eine Stimme entwickeln, unseren Bedürfnissen Gehör verschaffen. Die lange Zunge von Kali steht dabei ebenfalls für Qualitäten wie Selbstermächtigung, Intelligenz, Weisheit.

Weibliche Integrität in Zeiten von #MeToo

Es gibt viele weibliche Vorbilder, die weniger heftig, aber genauso furchtlos sind wie Kali: Die weisen Frauen, die als Hexen verbrannt wurden, die Frauenrechtlerinnen Ende des 19. und Anfang des 20. Jahrhunderts oder die Emanzipationsbewegung der 1960er Jahre. Und heute kennen wir die Friedensnobelpreisträgerin Malala Yousafzai. Sie alle sind lebendige Vorbilder für unser Handeln: Ungerechtigkeiten entgegentreten, nicht hinnehmen, was ist. Das beschwört auch die weibliche Integrität in Zeiten von #MeToo.

Das Schwert und der abgeschlagene Kopf

Kali lehrt, dass es wichtig ist, das Ego zu überwinden: Das blutige Schwert steht für Weisheit und der abgeschlagene Kopf in ihren Händen für das Ego. Das Ego bringt uns immer wieder in die Dualität, lässt uns vergleichen, beurteilen, bringt uns zu Haben wollen und Abneigungen, Schuldgefühlen, Minderwertigkeiten und kehrt den Stolz hervor. Alles da muss zur Überwindung des Egos ausgelöst werden. Kali wird als dunkle Göttin bezeichnet, weil sie uns zu unseren unschönen Schattenseiten führt. Dabei geht es nicht um Splatter, Horror und Entsetzen, sondern um das Erkennen und Annehmen der dunklen Seite. Dort gelangen wir zur Leere, die auch als Fülle bezeichnet werden kann, zur Auflösung ins Unendliche hinein zum Überbewusstsein. Dort wird echtes Loslassen möglich.

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