Sisyphus und Yoga

Selbstoptimierung und Sisyphusarbeit: „Erschaffe die beste Version von Dir“ von Ralf Bohlmann und „Judgement Detox“ von Gabrielle Berstein.

Was Sie erwartet:

  • Was ist Sisyphusarbeit?
  • Der fröhliche Gegenentwurf
  • Buch 1: „Erschaffe die beste Version von Dir“
  • Buch 2: „Judgement Detox“
  • Und was hat das mit Yoga zu tun?

Wahrheit, Sage und Bedeutung heute

Sisyphus war ein König der Korinther, der etwa 1400 vor Christus gelebt hat. Er galt als sehr weise. Man kennt ihn jedoch weniger darüber als aus der griechischen Mythologie: Da soll er entweder eine griechische Variante des Till Eulenspiegels gewesen sein, also der verschlagenste Menschen aller Zeiten. Er hat laut Sage alles in Frage gestellt und sich seine Zeit mit Schabernack vertrieben. Den Göttern war das ein Dorn im Auge. Mit seinen Tricks hat er sogar den Tod mehrfach überlistet, wurde dann aber zu einer Strafe verdonnert: Hermes schickt ihn in die Unterwelt, wo er bis in alle Ewigkeit einen Felsblock einen steilen Berg hinauf rollen darf, der kurz vorm Gipfel wieder herunter rollt. Und das jedes Mal aufs Neue. Wir verbinden damit heute Sisyphusarbeit, also sinnloses Tun und wiederkehrende Tätigkeiten. Im Yoga schult das unsere Bereitschaft, nach innen zu gehen. Oder warum sollte ich täglich üben?

Der Gegenentwurf: Camus und die indische Sage

In „Der Mythos des Sisyphus“ beschreibt Albert Camus einen glücklichen Menschen, der in einer absurden Situation zwischen der Sinnlosigkeit und Sinn-Sehnsucht steckt. Das treibt die Leute schließlich zum Yoga: Sinnsuche. Etwas ähnliches beschreibt eine indische Geschichte mit einem ganz anderen Aspekt: Man kennt die Geschichte von Naranath Bhranthan, einem fröhlichen Menschen, der den Stein freiwillig hinauf rollt. Allerdings freut er sich irrsinnig, wenn dieser wieder den Berg herunterkollert. Auch eine Sichtweise! Wie wäre es, wenn wir das mal so betrachten? Tatsächlich ist nach ihm ein Berg in Kerala benannt: Naranathu Branthan Mala.

Erschaffe die beste Version von Dir

"Erschaffe die beste Version von Dir" von Ralf Bohlmann © riva

„Erschaffe die beste Version von Dir“ von Ralf Bohlmann © riva

In der Selbstoptimierungs-Szene fühlt man sich machmal auch wie der griechische Held. Mit einem 7-Schritte-Programm möchte es uns Ralf Bohlmann einfach machen: „Erschaffe die beste Version von Dir.“ Damit werden wir schlank, fit, stark, gesund, sind voller Energie und Lebensfreude. Aha. Als Coach und Kommunikationstrainer weiß Ralf Bohlmann sicherlich, wovon er redet. Es geht darum „das Idealbild von dir selbst zu erreichen“. Warum kann man sich nicht einfach lieben wie man ist? Aber halten wir es mit Sisyphus: Das Programm beinhaltet Ernährungsumstellung, mehr Bewegung und Sport, Entspannungsmethoden, Stressmanagement und Verbesserung der Schlafgewohnheiten. Er verspricht „Strategien zu entwickeln, um Blockaden aus dem Weg zu räumen, Prioritäten zu überprüfen, Stärken zu bestimmen und Ziele zu definieren“ – alles für ein glückliches Leben. Hoffentlich vergessen wir nicht, wenn der Felsbrocken mal wieder den Berg hinabrollt, herzhaft über uns selbst zu lachen!

Das 7-Schritte-Programm

Am besten startet man mit der Frage: „Was würde wohl die beste Version von mir tun und welche Informationen würde sie benötigen?“ Das Programm umfasst fünf Bausteine und sieben Schritte, wie gesagt, um die Blockaden zu beseitigen. Dazu soll man Helfer finden, sein Know-How sortieren und Schritt für Schritt planen. Die Tipps sind gut, fundiert und werden sehr übersichtlich dargestellt. Zu „Erschaffe die beste Version von Dir“ kann man auf seiner Webseite auch Podcasts anhören. Das erleichtert sicherlich noch mal die Umsetzung. Aber ehrlich: Was würde ich tun, wenn ich nichts tun müsste? Ich würde mir nicht so ein Programm auferlegen, sondern den Moment genießen. Vielleicht mit Bewegung und guter Nahrung, vielleicht aber auch mit Chips auf dem Sofa. In beide Richtungen lässt Sisyphus grüßen: Spätestens, wenn ich das eine durch das andere mal wieder ersetze…

Judgement Detox

"Judgement Detox" von Gabrielle Bernstein © arkanaa

„Judgement Detox“ von Gabrielle Bernstein © arkanaa

Das Buch „Judgement Detox“ von Gabrielle Berstein nimmt sich die Selbstbeurteilung oder Selbstverurteilung vor: „Wann immer wir urteilen, fühlen wir uns einsam und unglücklich. Denn dann sind wir nicht mehr im Einklang mit unserer wahren Natur, die aus Liebe, Güte und Mitgefühl besteht.“ Damit kommen wir wieder zum Yoga, der Verbindung und weg vom Getrenntsein. Oft projizieren wir unsere Ängste und Unsicherheiten auf andere Menschen. Wenn wir uns dadurch als getrennt von ihnen empfinden, können wir ihr 6-Schritte-Detox-Programm nutzen, um uns davon zu befreien. Sie wollte einfach ihre eigenen Urteile ändern und hatte überlegt, welcher Hintergrund sie dahin geführt hat. Dabei wird das Urteilen grundlegend auseinandergenommen und in sechs Teilen erklärt. Scham und Schuld sind oft die Auslöser.

Sisyphus und Yoga

Also, Selbstverbesserung in Ehren, so ist nun mal unsere Gesellschaft. Dennoch ist es wichtig, einen Schritt zurückzutreten und zu lernen, sich selbst anzunehmen. Das gelingt natürlich hervorragend mit Yoga. Wenn er denn nicht nur zur Körperoptimierung und damit zur Sisyphusarbeit eingesetzt wird! Freiheit des Geistes und der Werturteile ist ein Ergebnis und die Chance, auszusteigen aus dem Hamsterrad. Oder wie der Naranath Bhranthan zu erkennen, dass man einfach Freude an jedem Tun haben kann. Nachzulesen in der Bhagavad Gita: Handeln im Nicht-Handeln.

Wie geht es Ihnen mit der Selbstoptimierung um Sie herum? Hinterlassen Sie bitte einen Kommentar.

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