„Schlampenyoga“ von Milena Moser

Eines meiner Lieblingsbücher ist „Schlampenyoga“ von Milena Moser. Nachdem ich eine Weile mit mir gehadert hatte, ob ich mir eine Yogalehrer-Ausbildung zutraue, hat mir dieses Buch die Augen geöffnet und alle Ängste genommen. Die Fragen, die ich mir gestellt habe, waren grundlegender Natur. Milena Moser schreibt zwar über Yoga, beantwortet damit die gängigen Lebensfragen gleich mit.

Yoga ist eine Reise zu sich selbst

Unsportlich und ungelenkig möchte Milena Moser nie Sport machen. Sie denkt in ihrem Buch „Schlampenyoga“ darüber nach, dass man ja zumindest Yoga machen könnte. Tatsächlich findet sie den Weg in ein Yogastudio in ihrer Wahlheimat San Franzisco und bleibt entgegen ihrer eigenen Erwartungen dabei. Als das Studio schließt beginnt die eigentlich Suche nach dem „wahren“ oder dem „echten“ Yoga. Ein herzerfrischendes Buch, das auf raffinierte Weise die Yoga Sutras anhand von lebensnahen Beispielen erklärt. Als ich das Buch das erste mal las, sind alle Ängste von mir abgefallen. Ich wusste, ich habe meinen Weg gefunden. Zumindest den Anfang des Weges: Denn jede Reise, auch die Reise zu sich selbst, beginnt mit dem ersten Schritt.

„Schlampenyoga“ von Milena Moser

Als besonders hilfreich empfand ich Milena Mosers belustigten, aber nicht kompromitierenden, Blick auf die US-amerikanische Yoga-Szene. Etwas zeitversetzt kamen die Yoga-Veranstaltungen in Form von Conferences und Festivals nach Deuschland. Manche davon sind immer noch bodenständig und haben den einen oder anderen echten Inder am Start. Andere haben den amerikanischen Hype gleich mit den US-Yoga-Größen importiert. Man kann auf allen Veranstaltungen interessante und tolle Lehrer treffen, immer auch etwas über sich und das miteinander in der Szene herausfinden: Auch dort geht es recht kommerziell zu, die Yoga-Schüler sind nicht immer nett zu einander und ziemlich auf äußerlichkeiten bedacht. Der Mensch ist einfach so. Jeder Lehrer, ob er nur Gymnastik anbietet oder auch etwas zum Inhalt von Yoga sagen kann, bringt etwas Wertvolles mit. Es kann auch sein, dass man wie Milena Moser in ihrem Buch herausfindet, was einen echten Lehrer ausmacht: Lehrer, die sich selbst nicht so wichtig nehmen, die nicht andauernd von sich und ihrem großen Ego reden, sondern auf die Schüler achten und eingehen. Wahre Lehrer haben nicht die Weisheit gepachtet, sondern lassen dem Schüler Spielraum, etwas über sich selbst herauszufinden.

Ein guter Lehrer  – ein gutes Buch?

Milena Moser Schlampenyoga © Heyne

Milena Moser Schlampenyoga © Heyne

In diesem Fall war das Buch „Schlampenyoga“ von Milena Moser ein ehrlicher Lehrer, der sich selbst hinterfragt, die menschliche Seite betont und mit einem Zwinkern darauf hinweist, das Yoga Rotwein und Schokolade nicht ausschließt. Denn wer behauptet, alles Sinnliche und körperliche Genüsse vertragen sich nicht mit Yoga, ist schon wieder dogmatisch und stellt Yoga auf ein Podest. Aber Yoga ist keine Religion (er kann dafür mißbraucht werden, leider), sondern eine Lebensphilosophie, Leitfaden, der einem hilft, das Leben zu meistern. Und wie jeder einzelne Mensch das hinbekommt, ist seine eigene, unverwechselbare Reise – bei manchen mit Schokolade, bei anderen nicht. Alles ist richtig.

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