Reinheit im Yoga

Ausgewogenheit steht bei einer reinen Lebensweise hoch im Kurs. Manchmal ist es weniger der Verzicht, als die Achtsamkeit, die Reinheit im Yoga und im Leben ausmacht.

Kann es reines Leben geben?

Als klassische Anregung für Reinheit würde man vielleicht die gesunde Ernährung ansehen, also keine Stimulanzien wie Alkohol, Kaffee, Tee und keine tierischen Produkte zu sich nehmen. Dieser Ansatz wird auch zwischen Yogis heiß diskutiert, denn nicht jeder möchte auf Schokolade oder Fleisch verzichten. Ist Vegetarisch ausreichend oder muss es Vegan sein? Vielleicht geht es auch nicht immer um Verzicht, sondern man würde schon reiner leben, wenn man sich nur bewusster ernährt und nicht jeden Tag Fleisch oder Kaffee zu sich nimmt. Zur reinen Lebensweise gehören auch ein guter Schlaf, angemessene Bewegung, ein angemessenes Umfeld und angemessene Hobbies. Energetisch rein lebt man, wenn man sich keinen Schrott mehr über die Medien und von anderen Menschen reinzieht und selbst auch keinen Unsinn redet oder macht.

Reinheit im Yoga bedeutet Befreiung

Am Ende kann man alles von verschiedenen Seiten betrachten. Patañjali hat es im Yoga Sutra zusammengefasst, was man yogisch unter Reinheit versteht:

Yoga Sutra 2.28
„Durch die Übung der acht Glieder des Yoga gelangt man zur Überwindung von Unreinheiten, zu strahlender Weisheit und Unterscheidungskraft.“

Yoga Sutra 2.29
„Achtung gegenüber anderen (Yamas) und Selbstbeschränkung (Niyamas), Körperhaltungen (Asanas), Kontrolle der Lebensenergie (Pranayama), Rückzug der Sinne (Pratyahara), Konzentration (Dharana), Meditation (Dhyana) und absolute Konzentration (Samadhi) sind die acht Glieder des Yoga.“

Die acht Glieder des Yoga nimmt man sich jedoch nicht einzeln vor, sondern beschäftigt sich immer mit allen. Als Grundlage kann man jedoch die Yamas und Niyamas nehmen, um überhaupt mit Yoga beginnen zu können. Denn ohne Achtung gegenüber anderen Menschen und mit mangelnder Selbstdisziplin wird man weder in der Gruppe noch allein Yoga durchhalten und die Tiefen erfahren können. Die Körperübungen macht man ja eigentlich nur, um danach die mobilisierten Energien lenken und den Rückzug der Sinne beginnen zu können. Erst dann können Konzentration und Meditation eintreten. Alles das ist die Vorbereitung auf die tiefgreifenden Erfahrungen von Samadhi, es ist kein letztes Ziel, sondern ein Zustand des reinen Seins. Danach geht das Leben jedoch weiter.

Reinheit, konkret

Ohne Reinheit wird man schon an Pranayama scheitern oder die mobilisierten Energien nicht mehr kontrollieren können. Nicht ohne Grund galt Yoga früher als Geheimlehre. Ein gesunder Respekt vor den Tiefen der Übungen ist durchaus angebracht! Konkret kann man sich mit Sauca (Sauberkeit, Reinheit, das Geklärte, innerlich wie äußerlich) auseinandersetzen und die yogischen Reinigungstechniken anwenden, die Kriyas. Als Grundlage für eine Ernährungs- und Verhaltensumstellung schafft es Unterscheidungskraft (Viveka) und Klarheit. Das führt zur Befreiung aus Unwissenheit und lässt einen gelassener durch Leben gehen.

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