Pranayama führt zu Befreiung

In den Yoga Sutras 2.49 bis 2.53 von Patañjali erfahren wir wie Pranayama technisch funktionieren kann. Dazu sollte man schon einige Jahre Yoga praktizieren, seinen Atem kennen, um mit Hilfe dieser Techniken den „natürlichen Atem“ zu entwickeln. Das Buch „Licht auf Pranayama“ von B. K. S. Iyengar erklärt anschaulich in Text und Bild die Theorie dahinter, üben muss aber leider jeder selbst!

Pranayama führt zu Befreiung

Yoga ohne den Atem ist nicht Yoga, sondern Gymnastik oder neudeutsch Workout. Pranayama gehört zu den Asanas genauso wie zur Meditation, es ist praktisch das Bindeglied, die Brücke zwischen dem Körperlichen, Äußeren und dem Weg nach innen zu Pratyahara und zur Meditation. Der Atem soll in den Haltungen immer sanft und stabil sein, man soll nicht schnaufen oder den Atem anhalten, daran erkennt man, dass man sich schon zu sehr anstrengt. Ist das der Fall, geht man eben einen Schritt zurück, macht heute weniger und langsamer, damit der Atem immer leicht und stabil fließen kann. Der Atem ist das wichtigste Werkzeug im Yoga, um sich selbst besser kennenzulernen, um die Tagesform zu erkunden und bei der Meditation die Konzentration aufrecht zu halten. Die Einatmung wirkt anregend und die Ausatmung beruhigend. Durch den Atemverhalt verstärkt sich diese Wirkung. Der Atemverhalt ist kein Luftanhalten, es ist vielmehr eine natürliche Pause nach der Ein- bzw. Ausatmung, die mit der Zeit ausgedehnt werden kann. Diese Erweiterung der eigenen Grenzen lässt sich auf alles im Alltag anwenden!

Ohne Disziplin läuft gar nichts!

Regelmäßiges Üben von Asanas und Pranayama führt zum Erfolg, denn „Pranayama ist der Königsweg zu Wohlergehen, Freiheit und Glück“ laut der Yogachudamani Upanishad. Disziplin bedeutet aber nicht blindes Befolgen von Anweisungen, sondern ein in sich Hineinhören mit Sachverstand und das Beibehalten dieser Disziplin über eine längere Zeit, wie Wochen und Monate. Man schult die Achtsamkeit, erkundet wie der Atem in verschiedenen Situationen  reagiert und schliesst Freundschaft mit ihm. Wie einen guten Freund behandelt man ihn respektvoll und behutsam, regt ihn nicht auf und stört ihn nicht andauernd. Das Miteinander sollte mühelos, sanft und ohne Ehrgeiz sein. Kommt der Atem zur Ruhe, verlängert er sich und wird subtil (Dirgha und Sukshma), und ermöglicht uns den Rückzug der Sinne, Pratyahara.

Pratyahara

Der Rückzug der Sinne beruht auf Hingabe und Konzentration. Ohne Hingabe an die Haltung, an das Tun, sind Asanas einfach nur Gymnastik und werden ein Kraftakt. Aber auch reine Hingabe ohne Konzentration führt dazu, dass man sich verliert, es entsteht eine Lücke, in die sofort wieder Gedanken einströmen. Man benötigt also eine bequeme, aufrechte Sitzhaltung, in der Konzentration und Hingabe möglich sind, um den Rückzug der Sinne zu praktizieren. Man übt das zu Beginn an einem Objekt: Das kann der Atem sein, eine Kerze oder ein Mantra. Durch regelmäßiges Üben, beruhigt und befriedet man den Geist, erlangt Befreiung.

„Licht auf Pranayama“ von B. K. S. Iyengar

B. K. S. Iyengar Licht auf Pranayama © O. W. Barth

B. K. S. Iyengar „Licht auf Pranayama“ © O. W. Barth

Egal welcher Yoga-Richtung man sich verschrieben hat, Yoga ist eine wissenschaftliche und systematische Disziplin, die alle Ebenen anspricht und den Menschen innerlich eint. Rein körperliches Yoga wird der Sache nicht gerecht. Mit den Techniken der Atmung, Pranayama, wie sie in „Licht auf Pranayama“ von B. K. S. Iyengar beschrieben werden, kann man den Atem benutzen um den Weg nach innen anzutreten. Die Kontrolle des Atems führt uns zu den vier letzten Stufen des achtgliedrigen Pfades nicht nur nach innen, sie vereint uns mit der Quelle und führt uns zu innerer Freiheit und Gelassenheit. Doch sind Pranayama-Techniken nicht reine Atemübungen, sie befähigen uns zu Kreativität, starken Nerven und nehmen Einfluss auf das Gehirn. Die gesundheitsfördernde Wirkung  erkennt inzwischen auch die westliche Medizin an, für den Yoga bleibt aber das Hauptanliegen die Selbstermächtigung und Selbstverwirklichung. Pranayama erforscht die Verbindung zwischen Körper und Seele, soll Prana, die Lebensenergie, zum Fließen bringen und ist tatsächlich eine schwierige Kunst, schreibt Iyengar in seiner Einleitung. Man kann zwar darüber lesen. Um das Leben jedoch wirklich ins Gleichgewicht zu bringen, muss man Yoga und Pranayama üben. Die ersten drei Teile des Buches beschäftigen sich mit Theorie, Kunst und kokreten Technik des Pranayama, der letzte Teil ist dem Weg zur Meditation und Entspannung gewidmet.

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