Meditation heißt annehmen, was ist

Alles ganz einfach im Leben, wenn man ein Werkzeug, oder „Tool“, gefunden hat, das einem die Herausforderungen gelassen annehmen lässt. Mein Werkzeug dafür ist Yoga. Im alltäglichen Gebrauch, bei den körperlichen Übungen, den Atemübungen und bei der Meditation, komme ich mir selbst auf die Schliche: Ich erfahre mein Sein.

Die Verbindung herstellen

Die Verbindung zum Sein ist nicht etwas, das man erreicht und behält. Sie ist zwar immer da, nur nehme ich sie sonst nicht wahr. Zum Beispiel steige ich in den Fahrstuhl und überlege jedes Mal, ob ich den Knopf für meine Etage beim Hereinkommen gedrückt habe oder nicht. Natürlich habe ich ihn gedrückt, und zwar völlig automatisch. Und da liegt aus yogischer Sicht das eigentliche Problem: Die unbewussten Handlungen sind eingeschliffene Spuren wie Rillen auf einer Schallplatte (wer sie noch kennt! Sie heißen heute Vinyl). Die Rillen oder Spuren nennt man im Yoga Samskaras, diese sollen ausgemerzt werden.

Samskaras ausmerzen

Wie soll das gehen? Es sind zwei Handlungen, die man dazu ausführen kann: Man soll achtsam sein in allem, was man tut und neue, bessere Spuren (Handlungen) anlegen. Man nennt eingefahrene Spuren Samskaras. Sie werden die schlechten Handlungen überlagern bis sie sich verlieren. Die Meditationspraxis hilft dabei, achtsam zu werden, indem man im Moment aufmerksam bleibt und dadurch das eigentliche Sein überhaupt wahrnehmen kann. Das hört sich wieder so abgehoben an, einfacher gesagt: Man setzt sich hin, schließt die Augen und nimmt an, was jetzt gerade ist. Und, ups, da isses schon wieder weg.

Meditation heißt annehmen, was ist

Meditieren bedeutet also im Moment präsent zu bleiben und annehmen, welche Gedanken und Gefühle auch immer hochkommen. Manchmal ist es schön, ein anderes Mal sind es nur wirre Gedanken oder Schmerz. Alles darf sein, bekommt Raum und wird angenommen. Dann mache ich mir klar: Das Gute und das Schlechte entsteht nur in meinem Kopf, durch meine Bewertungen – und wird auch wieder vergehen. So ist eben eines jeden Menschen Da-Sein: Entstehen und Vergehen. Das Annehmen kann nur mit Leichtigkeit geschehen, denn wenn das Wollen hinzukommt, ist der Moment schon wieder verloren und ich mache es mir unnötig schwer. Auch wenn ich wochenlang schwierige Gedanke habe und ungute Gefühle, dann ist das eben so. Ich sage mir dann immer: Ich muss nirgendwo hingelangen, ich bin genau hier richtig und angenommen. Alles wird gut, wenn ich mir Zeit lasse.

Was denkst Du in fünf Jahren darüber?

Das Im-Moment-sein in den Alltag zu nehmen, ist die eigentliche Kunst. Rege ich mich wegen einer Situation auf, bin ich nicht im Moment: Ich denke wie etwas anders sein sollte, was ich mir wünsche oder wie es früher war. Dann bin ich in der Zukunft oder der Vergangenheit. Da hilft mir manchmal einfach die Frage: „Was werde ich wohl in fünf Jahren über diese Situation denken?“ Daran werde ich mich bestimmt nicht mehr erinnern! Ich kann mich entspannen, kehre zurück ins Hier und Jetzt und nehme wahr, welche Gefühle es gibt. Das macht es mir leichter, meine Mitmenschen zu verstehen. Dann kann ich sagen: Ich bin ein Mensch und mir ist nichts Menschliches fremd – daraus kann eine Verbindung und Mitgefühl zu anderen entstehen. Alles das trägt zu Verständnis, Frieden und Ahimsa (Gewaltlosigkeit) bei.

Wenn das jeder machen würde, höre ich Sie sagen! Ja, genau, das wärs doch!

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