Hürden bei guten Vorsätzen: Vikalpa & Sankalpa

Ja, mach nur einen Plan!
Sei nur ein großes Licht!
Und mach dann noch’nen zweiten Plan
Gehn tun sie beide nicht.
Denn für dieses Leben
Ist der Mensch nicht schlecht genug.
Doch sein höhres Streben
Ist ein schöner Zug. (Bertold Brecht)

Hürden bei guten Vorsätzen: Vikalpa & Sankalpa

Sie nehmen sich Anfang des Jahres etwas vor und wenige Tage oder Wochen später stellen Sie fest, es hat wieder nicht geklappt! Gesund leben, früh schlafen gehen, eine neue Sportart beginnen. Warum kriegen wir das nicht hin? Wir versuchen diese Hürde über den Geist zu lösen, was yogisch betrachtet der völlig falsche Weg ist. Im Yoga gibt es eine Technik, die genau darauf abzielt: Yoga Nidra. Wie komme ich aber zu meinem tiefsten Herzenswunsch? Und was hält mich davon ab?

Vikalpa: Zweifel und Unschlüssigkeit

Was macht es uns nur so schwer, gute Vorsätze einzuhalten? Es gibt zu allen guten Vorsätzen immer die ausgetretenen Pfade (Samskaras) und Gegenspieler wie den Zweifel. Vikalpa bedeutet Gedanke und Vorstellung, aber auch Einbildung, Zögern, Zweifel und Unschlüssigkeit. Es ist ein zufällig entstandenes Bild oder eine Fantasie, als ewiger Gegenspieler zu unseren guten Vorsätzen: Sankalpa.  Sie kennen Gedankenschleifen, ein Gedanke führt zum nächsten: Soll ich oder soll ich nicht? Falsche Vorstellung von sich (Avidya) oder falsche Annahmen von der Situation erschwere die Entscheidungsfindung zusätzlich. In diesem Sinne ist Vikalpa eine mentale Beschäftigung, die den Geist verwirrt.

Sankalpa als erster Schritt

Das Wort setzt sich aus „san“, ein aus dem Herzen heraus entstandener, tiefer Wunsch, und „kalpa“, die zu beachtende Regel vor allen Regeln, zusammen. Kryptisch? Ja, aber wir versuchen es mal damit: In der Yoga-Tradition setzt man einen festen Entschluss, ein Sankalpa, und verfolgt diesen über eine längere Zeit. Diesen  Herzenswunsch muss man mit Gefühlen verknüpfen, um erfolgreich zu sein. Deshalb muss gut gewählt und machbar sein, was man sich vornimmt. Man braucht durchaus eine längere Vorbereitungszeit auf die Feststellung, welcher Entschluss es denn sein soll. Und dabei hilft Yoga über den Rückzug der Sinne (Pratyahara) und mit Meditation (Dhyana).

Vorbereitung auf ein Sankalpa

Die Grundidee: Ersetzen Sie Ihr Selbstbild mit dem Erhabendsten, das Ihnen einfällt. Streben Sie nach großen und göttlichen Qualitäten in sich! Nehmen Sie sich Zeit: Zuerst wird der Geist fokussiert, die Sinne werden zurückgezogen und Sie spüren hinein in Ihren tiefsten Herzenswunsch. Was wünschen Sie sich aus ganzem Herzen? Vielleicht klappt das nicht die ersten zehn Male, aber je öfter Sie sich Zeit nehmen, umso tiefer gelangten Sie zu sich selbst, zu dem, was einen ausmacht und was wirklich wichtig ist. Haben Sie den Wunsch herausgefunden, sollten Sie ihn klar formulieren können. Zwischenschritte zu fetszulegen, erleichtern das Erreichen des Ziels. Sie müssen Ihren Wunsch positive und für die Gegenwart zusammenfassen können. Ist er gefasst, ist er wie ein Samenkorn: Er sollte gehegt und gepflegt werden, um zu gedeihen. Treten Zweifel und Unschlüssigkeit, Vikalpa, auf rupft man sie wie Unkraut und mit großer Zuversicht aus! Vertrauen ist wichtig.

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