Göttin Kali

Sie weiß, dass ihr größeres Selbst nur aus der Asche ihres  geringeren Ichs steigen kann. Kali ist die dunkle oder schwarze Mutter, eine blutrünstige Göttin, die ihre Kinder verschlingt, und Bezwingerin von Shiva. Man kennt sie vor allem in ihrer destruktiven Form. Aber es gibt viel mehr zu der aufregenden Göttin zu sagen.

Dämonen-Göttin, Göttin des Todes?

Wie es scheint hatte man damals im alten Hindustan bereits Lust auf Splatter- und Vampirgeschichten. Kali entsprang der Braue der Göttin Durga, um sich am Kampf gegen Dämonen zu beteiligen. Leider wütete sie auch zwischen den Gottheiten weiter, da sie sehr genau sehen konnte, dass diese auch nur etwas bessere Tagediebe waren. Allein Shiva konnte sie besänftigen, indem er sich ihr zu Füßen legte und sie ihn vernichten durfte. Sie tanzte ihn fast zu Tode und fraß dann seine Eingeweide. Wenn eine Frau in gerechten Zorn ausbricht, entsteht eben ein Kollateralschaden. Kali ist unerbittlich, zwischen Grauen und Ekstase!

Kali verschlingt ihre eigenen Kinder

Sie sieht schon furchterregend aus: Kali wird mit blauer oder schwarze Haut, hervorquellenden roten Augen und weit herausgestreckte Zunge dargestellt. um den Hals trägt sie eine Kette aus 51 Menschenköpfen, ihr Rock besteht nicht aus Bananen, sondern aus abgetrennten Armen. In ihren vier eigenen Armen hält sie ein Schwert, das Anhaftung löst, und einen menschlichen Kopf, der das Ego symbolisiert. Wie Shiva trägt sie einen Dreizack, manchmal auch ein zu einer Schlinge geformtes Seil für ihre Kundalini-Kraft, und eine Blutschale. Ich sagte ja, Splatter pur!

„Kali way of love“

Kala bedeutet Zeit, Kali ist also die Göttin vom Raum und Zeit, Leben und Tod. Kali nimmt nicht nur Leben, sie schenkt auch neues Leben, denn alles hat immer zwei Seiten: Die frühen tantrischen Texten identifizieren Kali als Shakti und Mutter; als die ursprüngliche Schöpferin, entstanden aus dem Mutterleib des Universums. Alle Dinge kommen von ihr und gehen wieder in sie ein. So steht Kali für die absolute Existenz jenseits der Furcht, den endlosen Zyklus von Geburt und Tod, Schöpfung und Zerstörung. Und zwar nicht süßlich liebevoll wie Saraswati und Lakshmi, Parvati und Sita, sondern hart und echt, eben der „Kali way of love“: Die Reinigung durchs Feuer. Leben kann es nur durch Tod geben und umgekehrt; wer anderes behauptet, lügt! Wenn man den Mut aufbringt, sich dem Tod zu stellen, werden die Erkenntnisse unvergleichlich sein: Der Mut einer Löwin gleicht ihrer Liebe.

Die heftige Göttin Kali

Andere Göttergeschichten erzählen von Hanumans Heldentaten, Danwantaris Entstehung oder dem übermütigen Ganesha. Kali fordert uns auf, hinzuschauen, auch wenn es um Zerstörung, Wut, Blut und Knochen geht. Es ist eben ihre Art, die Hindernisse zu überwinden. Denn all das gehört genauso zum Leben dazu. Wir sollen diese großen Kräfte verstehen lernen und besser nutzen. Dann setzen wir diese Kräfte für unsere eigene Wiedergeburt ein, müssen dafür aber auch etwas opfern: Das bedeutet es also, wenn Kali in der ewigen Zeugung ihre eigenen Kinder verschlingt.

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