Für Yoga ist es nie zu spät

„Biegsam stabil“ von Eva Obermeier, „Der Yoga Doc“ von Dr. Ronald Steiner und „Für Yoga ist es nie zu spät“ von Bente Helene Schei sind drei Bücher zum Thema: Jeder kann durch Yoga nur gewinnen!

Bleib biegsam, Baby!

Alle drei Autoren möchten Yoga für jeden möglich machen. Dr. Ronald Steiner bietet Hilfe zur Selbsthilfe bei Beschwerden an, Eva Obermeier pflegt einen rein orthopädischen Yogastil und Bente Helene Schlei geht mit der Devise an den Start, dass man jederzeit mit Yoga beginnen und es überall praktizieren kann. Auch unterwegs. Was davon zu halten ist, schauen wir uns doch mal etwas genauer an.

Praxisbuch für Einsteiger und Best Ager

Buchcover zur Rezension auf Yogannetteblog.de

„Für Yoga ist es nie zu spät“ von Bente Helene Schei © O. W. Barth

Das Buch „Für Yoga ist es nie zu spät“ ist wirklich schön und schlicht gestaltet, die Übungen werden gut beschrieben und fotografisch dargestellt. Besonders gelungen finde ich die Atemübungen und die Erklärungen zum Liegen in der Stille. Sie sind nicht neu, doch sehr klar formuliert. Die Autorin Bente Helene Schlei betont, dass eigene Grenzen beim Üben respektiert und nicht überschritten werden sollen. Man solle in Ruhe und ohne Druck üben. Sicherlich sind die Körperübungen für Einsteiger geeignet, da sie theoretisch einfach sind. Für Gesunde und Körpebewusste finde ich das Buch schlicht und gut, aber nicht jeder ist mit einem guten Körpergefühl ausgestattet. Deshalb bin ich der Meinung, eine Anleitung durch einen Lehrer ist für jede*n sinnvoll.

Für Yoga ist es nie zu spät

Ein weiterer Punkt: Für körperliche Einschränkungen bietet Frau Schlei leider keine Alternativen an, obwohl das Motto lautet: „Jeder kann Yoga üben, egal in welchem Alter man beginnt.“ Dann sollte man doch genau an dieser Stelle etwas anbieten. Es werden verschiedene Yoga-Programme angeboten:

  1. kurz 10 bis 20 Minuten
  2. mittel 30 bis 50 Minuten
  3. lang 60 bis 90 Minuten
  4. für eine gute Verdauung 20 bis 40 Minuten
  5. mehr Geschmeidigkeit in Rücken, Nacken und Schultern 30 bis 60 Minuten
  6. Gleichgewicht und Konzentration 10 bis 60 Minuten

Daraus kann sich jeder ein individuelles Programm zusammenstellen, um Überforderung zu vermeiden. Auch bei den Übungsabfolgen bin ich nicht ganz einverstanden: Im Kapitel „mehr Geschmeidigkeit in Rücken, Nacken und Schultern“ werden fünf Rückbeugen hintereinander vorgestellt. Das ist ziemlich heftig und selbst ein gesunder Rücken hätte danach noch lange etwas davon (mindestens Muskelkater). Bei Beschwerden wäre das Gift. Sicherlich soll man sich nur eine oder zwei Übungen davon aussuchen. So ganz klar ist mir das nicht geworden. Trotzdem möchte ich dieses Buch für gesunde Anfänger und ältere Semester, die schon geübt sind, empfehlen.

Eva Obermeier „Biegsam stabil“

„Langfristig gesehen hat orthopädisches Yoga vor allem ein Ziel:
Egal, wie alt Sie sind, egal, wie Ihr Körper sich gerade anfühlt:
Es soll Sie – auch im Alltag – in die Lage versetzen, möglichst
alle (!) Bewegungen, die Ihr Körper nützlicherweise beherrscht,
(wieder) ausführen zu können.“
Eva Obermeier in „Biegsam stabil“

Buchcover Rezension auf Yogannetteblog.de

„Biegsam stabil“ von Eva Obermeier © Orlanda

Keiner muss mit Einschränkungen leben, jeder kann seine Mobilität zurückgewinnen. Was oft als aus-therapiert gilt, kann mit Yoga wieder biegsam werden. Eva Obermeier bringt in ihrem Buch „Biegsam stabil“ Yoga mit neuesten physiotherapeutischen Ergebnissen zusammen. Das ist ein hoher Anspruch, dem das Buch durchaus gerecht wird. Ausführliche Erklärungen, anschauliche Bilder, auch wie Übungen gerade nicht auszuführen sind (!) und tolle, einfache Varianten bekannter Übungen. Das klare auf Yoga ausgerichtete Buch ohne Schnickschnack ist in drei Bereiche gegliedert:

  1. Grundlagen: Einführung; Das Zusammenspiel im Körper
  2. Praxis: Wirbelsäule; Knie; Fuß; Schulter; Ellenbogen und Hand
  3. Anhang: Übungsreihen; Rücken, Becken, Leisten; HWS: Schultergürtel; Knie und Füße

In der Einführung geht es um orthopädischen Yoga, Grundwissen über Yoga und den Körper. Im Kapitel „Zusammenspiel im Körper“ geht es um Atmung, Faszien und Organe. Die Autorin bietet Grundlagenwissen an, denn der Leser soll verstehen, wozu er etwas übt und nicht einfach nur ein paar Übungen machen. Der Praxisteil ist in Körperbereiche gegliedert. Zu jedem Körperteil werden einfache anatomische Grundlagen vermittelt und häufige Beschwerden und Übungen vorgestellt. Im Anhang findet man drei kurze Übungsreihen. Toll finde ich die spannenden und einfachen Abwandlungen der Haltungen. Ein Buch das ich jedem Yogalehrer und interessierten Laien ans Herz legen möchte.

Dr. Ronald Steiner ist jetzt „Der Yoga Doc“

Hört sich an wie Doc Snyder von Helge Schneider. Vielleicht wäre dann Doc Steiner noch lustiger! Scherz beiseite. Das Buch von Dr. Ronald Steiner ist eine Sammlung von Artikeln, die im Yoga Journal in den letzten Jahren erschienen sind. Er verbindet Yoga mit Erkenntnissen aus der Medizin und stellt präventive bzw. therapeutische Yogaübungen für häufige Beschwerden und Fehlstellungen vor. Herausgekommen ist eine Sammlung an wertvollen Übungen, die man praktizieren kann, um sich selbst zu helfen.

In den weiteren drei Kapiteln geht es um Übungen für die häufigsten Beschwerden. Sie sind in drei Übungsgruppen zusammengefasst:

  1. Rücken: Er ist in die Abschnitte der Wirbelsäule LWS, BWS und HWS unterteilt.
  2. Arme mit Nacken, Schultern und Händen.
  3. Beine mit Hüften, Beinrückseiten, Knien und Füßen.

Standardwerk verpasst

Cover Rezension auf Yogannetteblog.de

„Der Yoga Doc“ von Dr. Ronald Steiner © riva

Ich hatte mich schon sehr auf dieses Buch gefreut, weil Her Steiner als Experte gilt und nachvollziehbar erklären kann. So schön das Buch gestaltet ist, es bleibt leicht und ist nicht das Standardwerk, dass ich erhofft hatte. Er hat so ein großes Wissen, das aber in diesem Buch eher an der Oberfläche bleibt. In der Einführung „Heilen mit Yoga“ betrachtet der Autor die Begriffe Yoga und Yogatherapie; die Wirkung und Umsetzung von Yogatherapie. Wenn man auch sonst nichts von dem Buch mitnehmen würde (was schade wäre!), die Einführung ist unbedingt lesenswert! Denn für Yoga ist es nie zu spät: Die Beweglichkeit kann sicherlich jeder irgendwo in seinem Körper verbessern. Als präventive Maßnahme ist das Buch sehr gut geeignet, zur Selbstheilung würde ich immer einen Therapeuten hinzuziehen. Ich selbst erkenne Fehlstellungen bei mir nicht so gut, wie jemand, der von außen auf mich schaut. Die Einführungstexte zum jeweiligen Abschnitt enthalten Informationen, die die Übungen auch für Laien plausible machen.

 

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