Erleuchtung erlangt, und nu?

Was kommt nach der Erleuchtung? Schwebt man mehrere Zentimeter über dem Boden? Was ändert sich? Das Buch „Die fünf Dakinis“ von Tsültrim Allione gibt eine andere Idee davon, wie frau Zugang dazu findet.

Die weibliche Kraft nutzen

Es geht nicht darum, in einem Zustand zu verweilen, sondern vielmehr die Zusammenhänge zu erkennen. Oft suchen wir etwas im Außen oder mit der Hilfe von vermeintlichen Institutionen. Das Buch „Die fünf Dakinis“ von Tsültrim Allione setzt woanders an: „Denn in allen Traditionen mit eindeutig weiblicher Sichtweise ist die Verbindung von Geist und Materie, von Geist und Körper ein wesentlicher Bezugspunkt. Daraus ergibt sich eine Spiritualität, die untrennbar von unserem Alltagsleben ist, und auch eine Vorstellung des Göttlichen als etwas, das innewohnend und nicht transzendent ist.“ Es ist also alles schon da und wenn wir Frauen wieder an unsere (weibliche) Quelle (Materie von lateinisch mater, die Mutter) andocken können, sind wir spirituell und in unserer Kraft. Das ist das Geheimnis. Wie kommen wir da wieder hin?

Unterschätz nie eine zornige Frau

Wenn wir aufhören, uns Geschichten zu erzählen, wer wir sind, gelingt uns das Ende der Ego-Fixierung. Dahinter liegt die Quelle, das reine Sein. Eine Verbesserung des Selbst ist nicht nötig, es geht vielmehr darum, sich selbst anzunehmen, wie frau ist. Das fällt schwer mit dem Blick durch die patriarchalische Brille, die wir seit Jahrhunderten auf der Nase haben. Es erfordert Disziplin innezuhalten. Dann erkennen wir die wahre Natur allen Seins. Erleuchtung ist das Aufwachen: Die eigene, wahre Natur erfahren. Frau Allione dazu: „Der Verlust von weiblichen Qualitäten ist ein drängendes psychologisches und ökologisches Problem in der modernen Gesellschaft. (…) Bei Frauen betrifft der Verlust ihre wesentliche Identität und bei Männern ihre Fähigkeit, Gefühle und Wertschätzung zu empfinden.“ Denn nach der Erleuchtung (dem Erkennen) beginnt die eigentliche Arbeit. Die Autorin führt an, dass Frauen nicht nur sanft sind, sondern wie ein Löwin gerechten Zorn ausdrücken können muss. In unserer Gesellschaft ist das aber völlig verpönt.

Erleuchtung erlangt, und nu?

Erleuchtung kann etwas sehr simples sein: eine Idee, ein Einfall oder eine Eingebung. Yogisch sagen wir lieber Erkenntnis, Befreiung (Moksha oder Samadhi) dazu und es stellt das höchste Ziel im Yoga dar. Das Ego, das wir als Ich-Bewusstsein kennen, löst sich auf und wandelt sich zu einer Einheitserfahrung: Man erfährt sich als eins mit und in allen Wesen. Diese Einheitserfahrung wird auch als Sat-Chit-Ananda bezeichnet: Sein, Einheit und Glückseligkeit. Durch die Verbindung des Seins mit dem Einheitsbewusstsein entsteht das innere Glück (Ananda). Ja, und dann wieder die Frage, was passiert nach der Erleuchtung? Ist es möglich diese Erkenntnisse in den Alltag zu übertragen? Sich den Abstand zu sich selbst und die Verbindung mit allen Wesen in Erinnerung zu rufen, macht uns wohlwollend und mitfühlend. Na, und das ist nicht nur yogisch, sondern erleuchtet im Alltag, immer verbunden oder angebunden (Yoga von der Silbe yuj bedeutet angeschirrt, angejocht).

Himmelstänzerinnen: Die fünf Dakinis

Cover, "Die 5 Dakinis" von Tsueltrim Allione © Arkana; Yogannetteblog.de

„Die 5 Dakinis“ von Tsueltrim Allione © Arkana

In „Die fünf Dakinis“ von Tsültrim Allione, einer der bekanntesten tibetisch-buddhistischen Lehrerinnen im Westen, stellt die himmlischen Kräfte des Buddhismus vor. Wie und warum man die Dämonen füttert, hat sie schon eindrucksvoll beschrieben., Diesmal geht es um die durchaus zornige weibliche Kraft der buddhistischen Himmelstänzerinnen und wie man mit ihrer Hilfe durch Meditationen viele Alltagsprobleme lösen kann. Die wechselnden Temperamente der Dakinis stärken die weiblichen Kräfte in jedem, Mann und Frau. Tsültrim Allione beginnt bei ihrer eigenen Geschichte, berichtet Wissenswertes aus der Historie und der aktuellen Frauenbewegung „Never underestimate the power of a nasty woman“ gegen Donald Trump: Wir müssen die weibliche Verbindung zu früherem Wissen wiederherstellen, um mit dem männlichen Prinzip ins Gleichgewicht zu kommen. Wir dürfen nicht warten, bis man uns Frauen mehr Raum gibt und Gehör schenkt, sondern jede von uns muss selbst die Verbindung zu sich selbst, also zur Quelle, schaffen. Die fünf Dakinis können dabei helfen.

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