Energiekanäle: Nadis

Im Yoga und Tantra sind Nadis feinstoffliche Energieleitbahnen, die den Körper durchziehen und mit Lebensenergie, also Prana, versorgen. Durch die Übungen des Yoga sollen die Bahnen gereinigt werden, damit die Kundalini- oder Shakti-Kraft nach oben steigen und sich mit Shiva bzw. dem höheren Selbst verbinden kann. Es ist nichts weniger als die kosmische Vereinigung der Kräfte. Hört sich abgedreht an? Ist aber eine prima Sache, wenn es klappt.

Leitbahnen für Prana

In der Hatha Yoga Pradipika sind 72.000 Nadis beschrieben. Nadi ist der Strom, Kanal oder eine Leitbahn. In der Chakra-Lehre ist die Lebensenergie (Prana) nicht chaotisch im Körper unterwegs, sondern sammelt sich in den Kanälen und verteilt sich über sie im Körper. Man vergleicht die Nadis oft mit den Meridianen der chinesischen Medizin, die man über Akupunktur erreicht. Allerdings spricht man die Nadis in der Yoga-Lehre nicht medizinisch, sondern spirituell an. In der Yogapraxis wendet man sich meist den drei Hauptleitbahnen über Asanas und Pranayama zu, um die Chakras zu reinigen und zu aktivieren.

Nadis Ida und Pingala

Der mittlere Kanal heißt Sushumna-Nadi, Ida-Nadi ist links und Pingala-Nadi rechts von der Wirbelsäule. Ida und Pingala entspringen je nach Textquelle oberhalb oder im Beckenboden (Kanda) und enden im linken bzw. rechten Nasenloch. Sie versorgen uns mit Energie für unsere weltlichen Aufgaben. Auf der linken Seite wirkt Ida wie der Mond kühlend, beruhigend und ist dem weiblichen Prinzip zugeordnet. Rechtsseitig steht Pingala für das männliche Prinzip der Sonne, wirkt erhitzend und anregend. Aufsteigend vom Wurzelchakra winden sich Ida und Pingala um Sushumna-Nadi, an ihren vier Kreuzungspunkten befinden sich folgenden Chakras: Sakralchakra (Svadhisthana), Nabelchakra (Manipura), Herzchakra (Anahata) und Kehlchakra (Visuddha). Sind sie frei und aktiv sorgen sie bei den ihnen zugeordneten Organe für neue Lebenskraft, Kreativität und Selbstbewusstsein.

Sushumna-Nadi und Übungen im Alltag

Ida und Pingala leitet Prana durch die Arbeit mit den Bandhas in den Sushumna-Nadi, die zentrale Leitbahn. Ihre Lage entspricht in etwa unserem Rückenmark, ist aber nicht mit ihm gleich, denn es geht um die spirituelle Entwicklung. Im Sushumna-Nadi steigt die Energie nach oben, die Leitbahnen müssen gereinigt und frei von Blockaden sein. Im Beckenboden, der Kanda, treffen sich alle drei Hauptnadis und dort, im Muladhara- oder Wurzelchakra, befindet sich auch die Shakti-Energie, die von einer dreieinhalbfach gewundenen Schlange, der Kundalini, symbolisiert wird. Um die Nadis im Alltag zu aktivieren oder zu beruhigen, übt man im Yoga die Mond-, Sonnen- oder Wechselatmung.

Energiekanäle: Nadis

Die Kundalini blockieren den Eingang zum Sushumna-Nadi. Man versucht mit Asanas und Pranayama sie zu erwecken. Das sollte nur unter Anleitung eines erfahrenen Lehrers geschehen, denn schießt die Kundalini einfach so nach oben, bekommt man mehr Probleme als „nur“ Kopfschmerzen: Falsche Atemtechniken und ziellos umherwandernde Kraft können zu psychotischen Zuständen führen! Gezielt eingesetzt führt aber die Verschmelzung der weiblichen (Shakti) mit der männlichen (Shiva) Energie zur Erleuchtung.

Ausführungen in der Hatha Yoga Pradipika

Was genau passiert beschreibt Swatmarama im zweiten Kapitel der Hatha Yoga Pradipika über Prana und im dritten über die Erweckung der Kundalini-Kraft: Durch Asanas reinigt man Körper und Nadis, reichert Prana an und wandelt es durch Pranayama-Übungen zu feinstofflicher Energie. Dann kann sie in Sushumna-Nadi eintreten, die Kundalini (Energie) wird erweckt und nach oben geleitet und führt zur Erleuchtung, All-Einheit und zur Befreiung in diesem Leben (Jivamukti).

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