Empfindungen & Gefühle im Yoga

„Nur nenne keine Empfindung klein, keine Empfindung unwürdig! Gut, sehr gut ist jede, auch der Hass, auch der Neid, auch die Eifersucht, auch die Grausamkeit. Von nichts andrem leben wir als von unsern schönen, herrlichen Gefühlen, und jedes, dem wir unrecht tun, ist ein Stern, den wir auslöschen.“ Hermann Hesse

Empfindungen & Gefühle im Yoga

Die Idee von Yoga ist, sich nicht durch Gedanken aus der Ruhe bringen zu lassen. Was sind aber Gefühle und Empfindungen anderes als Gedanken? Dadurch, wie wir eine Situation bewerten, entstehen gute oder schlechte Gefühle. Gelassen bleiben und Bewertungen loslassen ist also die Devise. Im Yoga gehen wir noch einen Schritt weiter: Wir untersuchen die Natur der Gedanken, beobachten uns selbst, um gelassen zu bleiben und so den Geist zur Ruhe zu bringen. Das muss nicht immer angenehm sein.

Im Yoga kommen Gefühle hoch

Nun versuchen wir aber oft unangenehmen Gefühlen zu verdrängen. Gerade durch Yoga kommen sie dann manchmal in der Entspannung oder auch schon in der Stunde hoch. Einige Teilnehmer gehen dann auf die Toilette, um sich nicht mit ihnen beschäftigen zu müssen oder um sie geschützt hochkommen zu lassen. In einer gut geleiteten Yogastunde, in einer Gruppe, in der man sich wohlfühlt, dürfen Gefühle einfach da sein. Den Raum dafür zu schaffen und zu halten ist eine Kunst. Wenn es die Situation zulässt, sind die Teilnehmenden jedoch sehr dankbar für die Möglichkeit und die Erfahrung, die sie dabei machen.

Heilsamer Umgang mit Gefühlen

Gefühle drücken sich auch in Nervosität und Anspannung aus. Gerade in Shavasana werden oft vom Lehrer Gefühle wie Liebe oder Dankbarkeit angesprochen. Davon fühlt sich nicht jeder inspiriert, manche lehne das ab. Dadurch kann schon ein Widerstand entstehen. „Warum fühle ich das nicht? Geht das nur mir so?“ „Wofür soll ich dankbar sein? Ich habe gerade meinen Job verloren.“ Anstatt sich auf diese innere Diskussion einzulassen, kann man versuchen die Gedanke ziehen zu lassen, indem man sich immer sagt: „Aha, das ist ja interessant. Ich werde mich später damit befassen.“ So lange bis keine Gedanken mehr hochkommen. Das kann einige Monate dauern, lohnt sich aber, wenn man endlich zur Ruhe kommt.

Gefühle zulassen ist nicht angenehm, aber reinigend

„Yoga und Gefühle“ von Anjali und R. Sriram © Theseus

Sind die Gedanken übermächtig, kann man auch in den Körper hineinspüren. Wo nehme ich dieses Gefühl wahr? Wie fühlt es sich an? Traurigkeit verengt einem oft die Brust oder Ärger lässt es im Bauch rumoren. Vielleicht verspürt man auch Spannung in den Schultern oder ein Ziehen im Rücken. Welches Gefühl möchte sich damit ausdrücken? Mit dieser Übung können unangenehme Gefühle und Gedanken hochkommen. Dann bekommen sie Raum, man kann sie ansehen, alte Glaubenssätze loslassen und den Gefühlen danken, dass sie sich gezeigt haben. Dieser Prozess findet immer wieder statt und ist wahrscheinlich nie beendet. Hat man aber die reinigende Wirkung erfahren, wird man sich darauf gern einlassen.

Abhyasa & Vairagya

„Yoga der Verbundenheit“ von Anna Trökes © O. W. Barth

Um diesen Weg zu gehen braucht es Abhyasa, das beharrliche, disziplinierte Üben, und Vairagya, das Nicht-Anhaften, die Leidenschaftslosigkeit und den Gleichmut. Man tritt zurück und schaut sich die Gefühle an. Das ist die Kunst der Disziplin und führt zu Gelassenheit und Gleichmut. Abhyasa und Vairagya bedingen sich also auch gegenseitig. Gute Bücher zum Thema sind „Yoga & Gefühle: Mit allen Sinnen leben“ von Anjali und R. Sriram und „Yoga der Verbundenheit: Die Kraft des Herzens wahrnehmen und entfalten“
von Anna Trökes. Beide Bücher geben Hinweise, wie man durch Yoga einen Weg zu sich finden kann. Sehr empfehlenswert!

 

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