Ego, Egoismus und das Selbst

In der spirituellen Szene möchte man oft das Ego überwinden oder sogar töten. Was bleibt dann aber? Man kann die Unterscheidung treffen zwischen Ego und Selbst und damit zu einem besseren Verständnis zu gelangen.

Die ganze Welt ist eine Familie

Alles ausprobiert und am Ende doch kein Glück gefunden? Die beste Version von sich selbst erschaffen wollen und nie ganz vollkommen sein? Man muss an den Punkt kommen zu erkennen, dass alles äußerliche Vergänglich ist, der Körper, der Erfolg und die Macht. Das Gefühl von Versagen fühlt vielleicht erst mal schlimm an, führt aber zu weitergehenden Frage: Was kann das Ego wirklich befrieden? Dadurch kann ein tiefes Verlangen nach Wahrheit und Freiheit entstehen und auf dem Weg gesellt sich die Erkenntnis dazu, dass wir alle zusammengehören. So steht es in der Maha Upanishad VI.72: „Die ganze Welt ist eine Familie“ und über dem Eingang des indischen Parlaments.

Ego und göttliches Selbst

Dein Ego besteht aus all dem, mit dem ich mich identifiziere. Meine materiellen Dinge, meine Position, meine Karriere, aber auch meine Werte und mein freier Wille gehören dazu. Das Image, das ich pflege, ist also mein Ego, alles vor das ich das Wort „mein“ stelle, ist eine Anhaftung. Bezeichnungen begrenzen unter unterteilen das Allumfassende, das Selbst. Das grenzt mich vom Göttlichen ab, ich fühle mich getrennt. Dabei sind das nur Schleier (Maya), die über der wahren Wirklichkeit liegen. Wenn ich die Anhaftungen loslassen kann, komme ich näher an das eigentliche Selbst heran. Das ist die Quelle und das Licht in mir. Auf dem Yoga-Weg wollen wir die das Getrennt-sein überwinden.

Ego, Egoismus und das Selbst

Egoismus ist die Ichbezogenheit und bedeutet, dass man etwas nur für sich unternimmt, die Interessen anderer werden nicht beachtet. Im Yoga ist es der Ich-Macher (Ahamkara) und der sitzt im Verstand. Egoismus zeigt sich nicht nur in grobe Menschen, die laut ihren Willen durchsetzen. Neben Lügen und betrügen, kann es auch einfach Überheblichkeit oder ein passiv-aggressives Verhalten sein, das egoistisch ist. Über andere schlecht reden oder unachtsam sein gehören auch dazu und verhindern, dass man sich entwickeln kann. Mitgefühl und liebende Güte helfen diese Formen leicht zu überwinden. Aber auch unter den Yogis gibt es die „Erleuchteten“, die andere wissen lassen, dass sie schon „so weit“ gekommen sind. Wer viel von dem einen zeigt, zeigt auch viel vom Gegenteil.

Egoismus entdecken

„Wo immer du dich findest, da lasse dich los.“ Meister Eckhart

Hat es mit Vorliebe und Abneigung (Raga und Dvesha) zu tun, ist das Ego im Spiel. Es bestimmt gern, möchte Anerkennung erheischen und wird unruhig, wenn es nicht genügend Aufmerksamkeit erhält. Deshalb findet das Ego Meditation so schlimm, man beschäftigt sich mit dem Hier und Jetzt. Das Ego ist jedoch in der Vergangenheit oder der Zukunft unterwegs, es beherrscht unsere Gedanken. Wie man mit ihm umgeht ist der Kern des spirituellen Weges. Beim Yoga gehen wir über die Übung in freiwilliger Intensität (Disziplin), Pranayama und Meditation, damit die Stimme des Herzens Raum bekommen kann.

2 Antworten zu “Ego, Egoismus und das Selbst

  • anders ausgedrückt – lebensnah – formuliere ich es gerne so – das EGO ist jener Anteil, der uns auch begrenzt & festhält … und wenn wir es loslassen (und damit all das was wir damit formulieren .. Anhaftung .. irdisches Selbst .. Materie .. Identifikation) …. dann ist *einfach* ein Me(e)hr an Leben möglich. Im wahrsten Sinn der Worte.

    • Annette Bauer
      3 Monatenvon

      Liebe Daniela,
      wenn Du es Dir dadurch auch erklären kannst, ist das doch sehr gut.
      Liebe Grüße,
      Annette

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