DVDs oder Yoga vom Lehrer zum Schüler

Yoga-DVDs und Youtube sind kein Ausweg, um Yoga persönlich zu erlernen. Sie mögen ergänzend sinnvoll sein und ein tolles Hilfsmittel, wenn man an entlegenen Orten lebt. Und trotzdem kann das die persönliche Anleitung durch einen Lehrer nicht ersetzen.

Grenzen ausweiten

Yoga sollte man bei einem Lehrer erlernen und nicht über DVDs, da er einem helfen kann, Grenzen zu erkennen, und im richtigen Moment den Blick über diese Grenzen ermöglicht. Nur durch diese Impulse von außen kann man die Grenzen erweitern. Wenn man immer das macht, was man schon kann, wird man auch immer da bleiben, wo man ist. Nichts bewegt sich!

Meine erste Yogastunde

Ich habe meine erste Yogastunde in einem Fitness-Studio bekommen. Es war damals im Kursplan ganz neu, und weil Madonna Yoga machte, wollten eine Freundin und ich herausfinden, worum es dabei geht. Die Lehrerin fing gleich in der ersten Stunde mit Kopfstand an, meine Freundin fiel um und hat sich den Nacken verrengt. Dabei drückte die Lehrerin immer wieder ihr Mißfallen gegen die oberflächliche Fitnesskultur aus: „Ach, das könnt ihr ja erstaunlich gut.“ Daraufhin fand ich Yoga unterirdisch schlecht, ein Egotrip der Lehrerin und überhaupt. Trotzdem wollten wir einige Zeit später doch herausfinden, was es denn mit diesem Yoga auf sich hat, und gingen zu einem Kursus in der Volkshochschule.

Der durchsichtige Yogi

Der Lehrer war ein Typ in knapper Bekleidung, bei dem man alle Muskeln und Sehnen arbeiten sehen konnte. Wenn er beispielsweise vormachte wie man den Oberschenkel drehen sollte, dann SAH man das bei ihm. Anatomie live, der Typ war echt scary! Heute finde ich das ja tatsächlich spannend. Mit einer guten Freundin war ich regelmäßig bei diesem Kursus, aber auch froh als er dann zu Ende war. Vielleicht lag es an dem unpersönlichen Lehrer oder an der Turnhallen-Atmosphäre. Heute würde mich das allles gar nicht mehr stören. Das zeigt eben auch, wie man sich mit der Zeit mit Yoga zurechtfindent und im Äußeren weniger Annehmlichkeit und Geborgenheit braucht: Meine Grenzen haben sich verschoben.

Yoga-Bücher

Einige Jahre später habe ich mir ein Buch gekauft, um daraus meine eigene Praxis zusammenzustellen. „Das große Yoga-Buch“ von Anna Trökes ist für mich immer noch ein Klassiker, den ich auch heute noch allen Anfängern ans Herz lege. Klare, einfache Übungen, gute Erläuterungen, perfekt für den Yoga-Einstieg. Die tägliche Praxis (Sadhana) habe ich zwar allein nicth lange aufrecht gehalten. Gelieben ist aber der „Hintergrund“ zu den Körperübungen (Asanas), der dann in den Vordergrund rücken konnte. Die Suche hatte begonnen und ich war begeistert! Für die Übungen und den Austausch suchte ich mir doch wieder einen Kursus, diesmal in einem Frauenprojekt. Das war die beste Stunde der Woche, denn meine Gedanken hatten PAUSE. Anmerkung: Ja, genau das ist Yoga.

Yoga-DVDs oder Yoga vom Lehrer zum Schüler

Heute gibt es Yoga-DVDs von jedem namhaften Schauspieler und ganze Yoga-Kanäle auf Youtube. Yoga passt sich tatsächlich der Zeit und den Bedürfnissen der Menschen an. Das ist auch gut so. Nur frage ich mich manchmal, ob diese ganzen Yogalehrer nicht einfach nur den Markt bedienen und außer Acht lassen, dass Yoga vom Lehrer zum Schüler übermittelt werden sollte. Und das nicht nur Einbahnstraße-mäßig, sondern im Kontakt mit dem Schüler und mit Blick auf seine Lebensumstände, um die Grenzen zu erweitern. Damit kann er Erfahrungen in seinem Tempo machen, wird dabei begleitet  und muss sich nicht verloren (in Körperübungen) fühlen. Denn es geht doch um die Erfahrung in einem Zusammenhang oder Rahmen (Lehrer oder Gruppe), damit das Erlebte nicht  im luftleeren Raum bleibt.

Gleiche Wiederholungen und Abfolgen, das ist Yoga

Wenn man also tatsächlich nur mit einer Yoga-DVD oder Youtube üben kann, dann bitte über einen längeren Zeitraum. Über mehrere Wochen oder sogar Monate sollte man mit der gleichen DVD üben. Keine spektakulären Verdrehungen, sondern schlichte Übungen, um den Geist zur Ruhe zu bringen. Abwechslung beherrscht unseren Alltag und unser Geist liebt die Abwechslung , denn er ist unruhig und an Unruhe gewöhnt. Ihn zu zügeln, ihm beizubringen, bei einer Sache und den gleichen Übungen zu bleiben, DAS ist wirklich Yoga! Man lernt sich selbst und seine Grenzen kennen. Nach einer gewissen Zeit benötigt man dann doch den Impuls von außen, von einem echten Lehrer.

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