Die Gier zerstört alles

B. K. S. Iyengars nennt in „Licht fürs Leben“ Appetit ein Geschenk,  Gier eine Sünde und Verschwendung ein Verbrechen. Aus der Gier erwächst das Gefühl der Angst, nicht genug zu haben. Das macht einen auch noch geizig! Im Umkehrschluss stellt er fest: „Je weniger Forderungen wir ans Dasein stellen, desto besser sind wir fähig, seine Fülle zu erkennen.“ Was ist also wirklicher Reichtum?

Die Gier zerstört alles

Das Gefühl, zu wenig zu besitzen, führt dazu, dass wir horten. Ob es nun Gegenstände, Bücher oder die Postkartensammlungen sind. Davon können wir nichts mitnehmen, wenn wir unseren Körper verlassen. Was wir aber mitnehmen, sind unsere guten Taten (gutes Karma) und Liebe. Das hört sich abgedroschen an. Stellen Sie sich jedoch vor, in den letzten Augenblicken Ihres Lebens ziehen die wirklich wichtigen Dinge an Ihrem inneren Auge vorbei: Ist es die Fotosammlung oder sind es Ihre Möbel an die Sie denken? Oder sind es eher die Gesichter Ihrer Lieben und die schönen Momente als Dinge? Warum fühlen wir uns so arm und was ist wahrer Reichtum? Es sind natürlich mal wieder Ängste: vor Mangel an Liebe, Geld oder sogar vor dem Tod. Die Angst vor dem Mangel macht uns geizig. Wir wünschen uns Liebe, geben sie selbst aber nicht. Mit Demut und Dankbarkeit werden wir genügsam und können uns reich fühlen. Aber wie geht das?

Was ist wahrer Reichtum?

Yoga lehrt uns, Ängste zu erkennen, sie zu beobachten und am Ende aufzugeben. Immer mehr können wir dadurch die Fülle um uns herum wahrnehmen. Wenn man keine Angst mehr hat, zu wenig Liebe, Aufmerksamkeit oder Geld zu bekommen, kann man freier geben. Das Paradoxe dabei ist, das, worum wir uns so bemüht haben, kommt dadurch von ganz allein. Respekt, Liebe und Dankbarkeit für andere Menschen können sich entfalten und kommen dadurch auch zu uns. Das ist unglaublich aber wahr. Was passiert da? Ganz einfach, es ist das erste Mal, das man die Fülle um sich herum erkennt. Und schon ist man steinreich! Im Christentum ist das alles gar nicht neu: „Gebet, so wird Euch gegeben“ (Lukas 6.38).

Yogischer Reichtum liegt im Atem

Im Yoga bemüht man sich darum, Anhaftungen zu erkennen und sie aufzugeben. Je weniger man benötigt, umso mehr hat man. Deshalb übt man im Pranayama die Pausen durch Atemverhalt (Kumbhaka) zu kultivieren und zu verlängern. Iyengar: „Während der Atem angehalten wird, befinden sich Reden, Wahrnehmung und Gehör unter Kontrolle. In diesem Zustand ist das Chitta (Bewusstsein) frei von Leidenschaft, Hass, Gier und Begierde, Stolz und Neid. Prana und Chitta werden im Kumbhaka eins.“ Der Atemverhalt zeigt uns eine Möglichkeit, Abstand zu gewinnen, und befreit vom Verlangen nach etwas. Wir lösen unsere Abhängigkeiten und werden frei.

Gier und Verschwendung auflösen

Man kann also über den yogischen Atem etwas über sein Anhaftungen und Ängste lernen. Es gibt aber noch sechs Eigenschaften, die man entwickeln kann, um den sechs Hindernissen entgegenzuwirken. Leidenschaft, Hass, Gier und Begierde, Stolz und Neid können überwunden werden, indem man laut Patañjali Unterscheidungskraft (Viveka), Vernunft (Vichara), Praxisübungen (Abhyasa) und Nicht-Anhaften (Vairagya), vertrauensvollen Glauben (Shraddha) und Mut (Virya) entwickelt. Unterscheidungskraft und Vernunft entwickelt man durch Meditation (Dhyana) und Selbststudium (Svadhyaya), Praxisübungen bestehen aus Übungen des achtgliedrigen Pfades und dadurch gelangt man zu Vertrauen und Mut für den Weg. Ruht man in sich selbst, braucht man weniger von den anderen, um das Selbstwertgefühl zu stärken. Man wird frei und kann mit offenen Armen schenken! Hier schließt sich wieder der Kreis.

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