Dharana, die Konzentration

Der achtgliedrige Pfad nach Patañjali fasst Pratyahara als fünften Schritt auf. Pratyahara ist eher wie ein Übergang auf dem Weg zu tiefer Konzentration, Dharana, dem sechsten Schritt. Was ist also der Unterschied?

Unterschiede oder alles eins?

Die Frage kann man so nicht beantworten, da alle diese Zustände in einander übergehen können. Das ist sogar wünschenswert: Achtsam gleitet man immer tiefer in den Zustand der vollen Konzentration. Deshalb ist der Rückzug der Sinne schon der Beginn der Konzentration, als solcher wahrnehmbar oder auch nicht. Wenn ich willentlich versuche, mich nicht mehr auf den Atem zu fokussieren, sondern den Fokus ziehen lassen möchte, habe ich es verpasst. Es ist eher ein Zulassen oder Geschehen-lassen als eine Willensanstrengung. Sehr kontrollierten Menschen kann das sogar Angst machen. Wenn man aber immer wieder an dieser Grenze übt, weitet man sie schließlich aus. Yoga und Meditation sollten nicht mit Willen oder Gewalt geübt werden. Was man aber immer braucht ist Geduld, dann stellt sich der Zustand manchmal kurz und dann immer länger ein, bis man in der vollen Konzentration angelangt ist.

Yogasutra 3.1
Das Bewusstsein auf einen Punkt oder eine Selle zu fixieren ist Konzentration.
(Übetragen von B. K. S. Iyengar in „Der Urquell des Yoga“)

Dharana, die volle Konzentration

Ist man in der vollen Konzentration bei Dharana angekommen, ist das der letzte Schritt zur gedankenfreien Meditation. Diese nennt man im Yoga Dhyana. Dharana ist die Ausrichtung auf einen Punkt, bei der man sich mit einem Objekt oder einer Sache verbindet und mit ihm verschmilzt. Man wird zu einem Windhauch, einem tiefen Bergsee oder einer Kerzenflamme. Diese einpünktige Konzentration länger als einen flüchtigen Moment aufrechtzuerhalten, ist Schwerstarbeit. Denn der Geist stört diese Konzentration unermüdlich! Den wilden Pferden des Geistes ist laaaangweilig. Oder man vermutet, das Ego hat große Angst, nicht genug beachtet zu werden. Man nähert sich dem reinen Bewusstsein und tritt in Kontakt mit allem und allen. Das ist ein großer Moment und für das Ego die größte Angst: Die Angst vor Vernichtung. Aber so schlimm wird es dann gar nicht!

Dharana im Alltag

Einpünktige Konzentration ist wieder eine Art Flow, wie auch schon beim Rückzug der Sinne, Pratyahara. Deshalb meine ich auch, die beiden gehen in einander über. Bei Pratyahara bekommt man von der Umgebung fast nichts mehr mit, bei Dharana ist man tatsächlich nicht ansprechbar. Man ist so tief in der Konzentration, das man dieser tiefe Bergsee oder die Kerzenflamme IST. Was interessiert den Bergsee seine Umgebung? Er IST einfach. Schon wieder pures Sein, aber nicht mehr als denkendes Ich, sondern als etwas anderes. Wie kann man es besser beschreiben?

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