Der weibliche Weg

Drei Yoga-Bücher zum weiblichen Yoga: „Der weibliche Weg“ von Martine Texier, „Die 8 Gaben des Menschen“ von Gurmukh und „Female Yoga“ von Katharina Middendorf.

Alte Männer im Yoga

Die Yoga Welt ist männlich geprägt, auch wenn man das in den Kursen bei uns vordergründig nicht feststellen kann. Der weibliche Weg möchte deshalb die Aussagen der alten (weißen) Männer des Yoga überprüfen: Halten diese auch für Frauen heute stand? Das Leben der Frauen hat sich zumindest hier im letzten Jahrhundert sehr verändert. Die Trennung zwischen weiblich und männlich ist geringer geworden. Umso wichtiger, sich die weiblichen Qualitäten wieder ins Gedächtnis zu rufen.

Der weibliche Weg

"Der weibliche Weg" von Martine Texier © mankau

„Der weibliche Weg“ von Martine Texier © mankau

Martine Texier nähert sich in ihrem Buch „Der weibliche Weg: Kraftvolle Rituale und Übungen für Schwangerschaft und Geburt“ dem Thema auf grundsätzliche Weise. Es geht um Gefühle und Erwartungen bei Schwangerschaft und Geburt. Den Geburtsvorgang sieht sie als eine Initiation in die „Gemeinschaft der Mütter“ und als Hebamme mit dreißig Jahren Erfahrung kann sie die anatomischen und energetischen Zusammenhänge bei der Geburt schlau beschreiben. Die „Energie der Welle“ muss frau verstehen, um freudig gebären und Ängste und Schmerzen bewältigen zu können. Besonders macht es ihr Ansatz, in aufrechter Haltung zu gebären. Frau kann dadurch beim Geburtsvorgang ganz bewusst die Beckenregion, Gebärmutterhals und Damm öffnen und „tanzt“ sozusagen „im Rhythmus der unendlichen Bewegung durch die Geburt“. Sie zeigt dafür hundert kraftvolle Yoga- und (Beckenbodenübungen. Das hört sich sehr spannend an. Im Liegen gebären Frauen ja nur, weil Männer sich irgendwann in den Prozess eingemischt haben…)

Die Gaben der Frauen

„Dein Herz muss sich nicht anderen gegenüber öffnen.
Dein Herz muss sich dir gegenüber öffnen.“
Yogi Bhajan

"Die 8 Gaben des Menschen" von Gurmukh © Theseus/Kamphausen

„Die 8 Gaben des Menschen“ von Gurmukh © Theseus/Kamphausen

Es ist schon ein älteres Werk, passt aber zum weiblichen Weg: „Die 8 Gaben des Menschen: Die Chakras heilen und stärken durch Kundalini Yoga“ von Gurmukh. Kundalini-Yoga hat sich schon seit Jahren bei Frauen- und Gesundheitsthemen einen eigenen Raum geschaffen. Es gibt im Kundalini-Yoga acht Chakras, das achte ist die Aura oder das Energiefeld, das den Menschen umhüllt. Für jedes erläutert die Autorin mit Inspirationen, Meditationen und Übungen wie man die Kundalini-Energie zur Heilung nutzen kann. Das Buch ist gespickt mit Zitaten von Yogi Bhajan und wer sich nur ansatzweise für Kundalini interessiert, wird dieses Buch lieben: Es ist ein Übungsbuch, das auf eine sehr angenehme Weise geschrieben ist, denn man spürt die jahrzehntelange Erfahrung von Gurmukh.

Acht Chakras

„Im Yoga geht es nicht um Selbstoptimierung,
es geht um Selbstakzeptanz.“
Gurmukh

Anhand der acht Chakras werden sehr ausführlich die Übungen erläutert und welche Leiden durch die positiven Effekte bearbeitet werden können.

  1. Akzeptanz: Leichenstellung, Kamelritt, Krähenhaltung, Atemarbeit für Vertrauen
  2. Kreativität: Beckenkippen, Hüftkreisen, Froschhaltung, Sat Kriya
  3. Entschlossenheit: Streckposition, Rumpfdrehen, Beinheben, Übung gegen Ängste
  4. Mitgefühl: Dankbarkeitsübung, Anti-Sorgen-Übung, Übung um das Herz zu öffnen
  5. Wahrheit: Hundehecheln, Kopfkreisen zur Zahl Acht, Übung zur Verjüngung
  6. Intuition: Übung zur Befreiung von Verwirrung, Verbeugungsübung, Übungen um feinsinnig, intuitiv und großherzig werden
  7. Grenzenlosigkeit: Meditation auf den Ausatem, Spiegelübung
  8. Ausstrahlung: Mentale Übung zur Aura, Meditation für das spirituelle Erwachen

Wenn man sich regelmäßig mit den Übungen beschäftigt, ein sehr heilsames Buch. Kundalini regt an, ist dynamisch und dabei sehr sanft und beruhigend. Eine tolle Mischung aus Affirmation, Körperstellung, Energielenkung und Meditation, aber vielleicht für den einen oder anderen etwas zu religiös.

Female Yoga

"Female Yoga" von Katharina Middendorf © Knaur

„Female Yoga“ von Katharina Middendorf © Knaur

Katharina Middendorf nimmt die Leserin mit, die „7 Urkräfte deiner Weiblichkeit“ zu entdecken. Sie verfolgt dabei die Frage, wie sich Frausein im Yoga ausdrückt, „ohne sich auf die weibliche Polarität des Sanften, des Ruhigen und des Empfangenden reduzieren zu lassen“. Das wäre zu einseitig. Auch Wildheit und Leidenschaft sind weibliche Qualitäten, die gelebt werden wollen. Obwohl von Männern gemacht und geprägt, wird Yoga heute besonders bei Frauen immer beliebter. Inhaltlich setzt Middendorf auf die fließende Sequenz des „Mondgrußes“. Er ist der rote Faden, der mit den sieben Chakras ergänzt wird. Auch hier schwingt der Kundalini-Einfluss deutlich mit. Die Frage ist, was an den Chakras besonders weiblich ist. Das klärt Middendorf im zweiten Teil des Buches.

„Weiblichkeit ist, was du daraus machst“

Im zweiten Teil des Buches geht sie tiefer darauf ein, wie frau den eigenen Platz finden kann: „Frau sein, alles sein, eins sein – die Facetten des Female Yoga.“ Ihr geht es darum, dass frau sich den Raum nimmt, der ihr zusteht, und weiß wonach sie überhaupt sucht. Sie verbindet das wieder mit den sieben Chakras und verknüpft sie mit kreativen, praktischen Anregungen. Diese sollen die Wirkung der körperlichen Übungspraxis verstärken. Sieben Urkräfte einer Frau können also aus einer weiteren Perspektive betrachtet werden:

  1. Schutz und Geborgenheit erleben // Dämonen verkloppen
  2. die eigene Sinnlichkeit entdecken // … sinnliche Frauen kommen überall hin
  3. sich in der Welt Selbstbestätigung verschaffen // Der Rückflusseffekt
  4. Liebe austauschen // Liebe deinen Nächsten wie dich selbst
  5. klar kommunizieren und Entscheidungen treffen // Ist Kommunikation nicht kinderleicht?
  6. sich auf die Intuition verlassen // Geh wohin dein Herz dich trägt
  7. sich spirituell entfalten // Mehr als man sieht & Farben, Stille und das Nichts

Ich kann mir zu weiblicher Kraft einen weiteren Ansatz aus den Aspekten der Shakti-Kraft und den weiblichen Göttern des Hinduismus vorstellen. Vielleicht schreibe ich ja doch noch ein Buch.

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