Demut neu betrachtet

Demut ist bei uns eher ein unpopuläres Wort. Man denkt dabei an jemanden, der am Boden liegt, unterwürfig ist oder sogar ge-demütigt wird. Aber um Erniedrigung geht es dabei nicht: Es gibt die äußere Demut, eine Demutshaltung, und einen innere Prozesse bei der man Demut aus freien Stücken übt.

Ego-Yoga vs. Demut

Im Westen ist das Wort Demut unpopulär und entsprechend üben wir Yoga: Es macht uns stark und hilft dabei, mit dem Stress besser klarzukommen. Aber ist Yoga dafür erfunden worden? Jein. Natürlich soll man besser mit den Gegebenheiten und seiner Umwelt umgehen können, aber nicht um sich selbst zu optimieren und noch mehr zu schaffen. Wir denken zielstrebig, planen die Zukunft und übersehen dabei meist, was gerade vor uns liegt. Dabei schaffen wir es einfach nicht, im Hier und Jetzt zu sein, das macht die asiatischen Denksysteme für uns so attraktiv.

Yoga-Disziplin

Yoga ist eine Disziplin, die ganz strukturiert zu einem Ziel führen soll, zu einem ruhigen Geist und Befreiung von allen Anhaftungen. Viele übersehen aber dabei, dass man dafür Yoga regelmäßig üben muss. Nun könnte man sagen, zweimal die Woche ist doch genug? Nein, das reicht eben nicht aus, man muss jeden Tag 24 Stunden lang in seinem inneren Yoga-Modus sein, um wirklich glücklich (LINK) zu werden. Das bedeutet nicht auf einem Berg in einer Höhle zu hocken, sondern sich an die eigene Lebensweise angepasst zu mäßigen und die Verantwortung für sein Handeln zu übernehmen.

Demut üben

Demütig erkennt man an, dass es etwas Höheres, Weiseres gibt als man selbst, als das Ego. Das kann ein Yoga-Lehrer sein oder jemand, den man für authentisch und weise hält. So jemandem hört man zu und lässt sich auf Wege führen, die der Lehrer schon gegangen ist. Dazu stellt man die Demut nicht zur Schau, das ist dann Hochmut oder Selbsterniedrigung und hilft niemandem. Wird man von seinem Lehrer oder Guru zu Dingen genötigt, die man nicht machen möchte, muss man auch nicht demütig sein, sondern sich aus dieser Beziehung schleunigst entfernen. Trotzdem darf man mit dem Lehrer die eigenen Grenzen ausloten und ausweiten, da kann es durchaus zu herausfordernde Situationen kommen.

Demut verträgt sich nicht mit dem Ego

Das Ego fällt bei diesen Gedanken fast vom Stuhl und meint, es brauche niemanden zur Anleitung. Ist das wirklich so? Brauchen wir nicht den Bezug zu anderen, zu einer Gruppe oder einem Lehrer? Fühlen wir uns nicht als Einzelkämpfer ständig verloren? Meiner Meinung nach kommt genau aus dieser Vereinzelung die Selbstoptimierungs-Idee: Wenn ich noch diese eine Ausbildung mache oder jenen Marathon renne, werden mich alle lieben. Tja, großer Denkfehler. Und daraus entseht dann leider auch das Ego-Yoga. Dabei ist unsere Körperhülle doch vergänglich und für alle wartet am Ende der Tod. Könnte man durch dieses Wissen nicht lieber nett miteinander umgehen?

Demut und Yoga

Übt man demütig Yoga, strebt man kein Ziel an, sondern nimmt die tagesformabhängigen Gegebenheiten wahr. Man fließt mit dem Strom, lässt sich leiten, benutzt Yoga nicht zum eignen Vorteil. Es ist ein Dienen am Yoga, denn Yoga wird durch eine yogische Grundhaltung und Lebenseinstellung erst zum Yoga. Wie übt man Demut im Yoga? Man widmet seine Asanas einer Person, die man mag. Zu fortgeschrittener Praxis kann man sie einer Person widmen, die Schmerzen hat oder jemanden, den man nicht besonders mag. Man betont bei der Praxis nicht immer das dritte Chakra, das Ego, sondern bringt immer wieder die Stirn zum Boden und übt sich in Dankbarkeit. Noch so ein unpopuläres Wort!

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