Die Chancen des 6. Kondratjew-Zyklus (3)

Um die dreiteilige Artikelserie in Bezug auf Yoga abzuschließen, schauen wir uns die Chancen an, die im 6. Kondratjew-Zyklus liegen. Was können wir als Yoga-Praktizierende davon im Alltag verwenden, was können Yoga-Lehrende anbieten?

Was läuft schief?

Lagen die Gründe für Wachstumsbarrieren in den vorangegangenen Zyklen, die Kondratjew beschrieb, in der Infrastruktur, der Ressourcenbeschaffung oder der Manpower, liegt das Problem heute in moralischen Defiziten der Menschen und der Gesellschaft. Sie wissen einfach nicht mehr, was richtig und falsch ist. Das äußert sich gesellschaftlich in Gewalt, Kriminalität, Drogenmissbrauch, Umweltzerstörung und Terrorismus. Der Einzelne übernimmt keine Verantwortung mehr, weil er nicht erwachsen geworden ist; und umgekehrt kann er nicht erwachsen werden, wenn ihm keine Grenzen gesetzt werden. Die psychosoziale Kompetenz ist die Grundlagen unseres Zusammenlebens. Steht kein inneres Wertesystem zur Verfügung, ist dieses weder gewährleistet noch von Achtsamkeit geprägt. Yoga ist ein Paradebeispiel für das Erkunden von Grenzen und Möglichkeiten auf ethischer Basis.

Die Chancen des 6. Kondratjew-Zyklus

Ohne den ganzheitlichen Blick auf den Menschen, tun sich Schulmedizin und Gesellschaft schwer. Krankheiten unterschiedlicher Herkunft werden nur symptomatisch behandelt. Damit ist eine Heilung oft nicht möglich. Auch in der Psychotherapie wird gelindert, tieferliegende Ursachen können aber oft nicht geheilt werden. Also muss auch wirtschaftlich auf die Förderung der Menschen gesetzt werden: In Firmen werden Kurse zu Menschenkenntnis, Diversität, Teamfähigkeit, Motivation, interkultureller Kommunikation und Kreativität angeboten. MBSR-Achtsamkeitswörkshops können über die Krankenkassen abgerechnet werden und immer häufiger schicken Ärzte ihre Patienten zum Yoga. Wie viel das „Nachschulen“ den Menschen bringt, oder ob sie nur fit für den Job gemacht werden, bleibt fraglich. Nachhaltige Strategien liegen also auch in Unternehmen und in der Gesellschaft im zwischenmenschlichen Bereich. Und genau das ist die Chance des 6. Kondratjew-Zyklus. Wie kann so etwas aussehen?

Yoga kann das leisten

Derzeit sind die Chancen für Yogalehrende sehr groß, einen Unterschied zu machen. Der einzelne Teilnehmende liegt dabei genauso im Fokus, wie die gesamte Gesellschaft: Wenn wir es schaffen, die Menschen mit den Werten des Yoga vertraut zu machen, können auch sie auf ihre Art den Staffelstab weitergeben. Es geht darum, viele Menschen zu erreichen und ihnen einen qualitativ guten Yoga anzubieten – ohne zu missionieren! Allein eine gute Erfahrung im Yogaunterricht kann ihnen einen Weg eröffnen. Die Vertiefung des Yoga-Wissens ist für uns Yogalehrenden ein Muss, um für das, was auf uns zukommt, vorbereitet zu sein. Wir können den in Deutschland unweigerlich stattfinden Kulturwandel mit Yoga begleiten und mitgestalten. Spätestens, wenn die kritische Masse an Kranken und Arbeitslosen erreicht ist, muss die Gesellschaft sich etwas einfallen lassen. Das Bedingungslose Grundeinkommen ist zwar eine gute Idee. Die Menschen erhalten dadurch zwar ein finanzielles Auskommen, haben aber noch keine Vision für ihr Leben. Dabei können die Prinzipien des Yoga und wir als Yoga-Gemeinde mitgestalten.

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