Artha, Kama, Dharma & Moksha im Alltag

Die Befreiung steht als leuchtendes Ziel über allen im Yoga, wobei man auch den Begriff Freiheit erst einmal definieren sollte. Doch davon ein anderes Mal mehr. Was sind nun Artha, Kama, Dharma und Moksha im Alltag? Wie erreiche ich ein oder sogar alle Ziele? 

Artha, Kama, Dharma & Moksha im Alltag

Das schöne ist, man muss nicht alle vier Lebensziele anstreben, es ist völlig in Ordnung, sich allein um Wohlstand oder Anerkennung zu bemühen. Dabei sollte man jedoch immer ethisch und gesellschaftlich korrekt vorgehen, dann lassen sich diese beiden Ziele mühelos umsetzen. Ohne Erkenntnis und Gelassenheit läuft man aber dem Erfolg immer nur hinterher. Schwieriger ist es sicherlich, seinem Dharma zu folgen: Ich sollte herausfinden, welche Berufung und Pflichten mir das Leben ermöglich oder auferlegt. Diesem Weg soll ich dann folgen ohne nach Belohnung oder Anerkennung zu schielen und der Erfolg wäre dann die Befreiung bereits in diesem Leben, also Moksha; der Befreite ist dann der Jivamukti. Das alles geht ohne schwierige Askese und der Entsagung der weltlichen Dinge. Ich muss nur das mit Leidenschaft zum Wohle aller tun, was mir am meisten liegt.  So einfach!

Lebensziel: Artha

Folgt man dem Ziel, sich finanziell abzusichern, sucht ein geregeltes Einkommen und materiellen Besitz, folgt man Artha, dem Weg des Wohlstands und Erfolgs. Geht man dabei moralisch einwandfrei im Sinne des Dharma vor, also folgt seiner Berufung, gelangt man wiederum zu mehr Ansehen und Reichtum. Ist Artha für Sie in Ordnung oder würden Sie lieber Ihrem Herzenswunsch, Ihrer Berufung folgen? Fragen Sie sich, wie Sie Ihre Berufung am besten erfüllen können.

Genuss und Anerkennung: Kama

Ist man sehr beliebt, ein Partylöwe, dann folgt man dem weltlichen Genuss, frönt der Lust und Sexualität. Hat man sein Schäfchen ins Trockene gebracht, möchten man den Wohlstand schließlich auch genießen. Das ist völlig legitim, wenn man dabei andere nicht ausbeutet oder ausnutzt, sondern ein Vorbild für das Umfeld ist. Man soll seine Wünsche durchaus erfüllen, nur nicht auf Kosten anderer. Hier gelten die Yamas und Niyamas als Richtlinie. Kama ist der hinduistische Liebesgott, er steht für die Freuden des Lebens und gesellschaftliche Anerkennung. Erst die Verbundenheit und Liebe zu einem anderen Menschen, öffnet einem die Möglichkeit, alle Wesen anzunehmen wie sie sind. Deshalb ist Kama laut Rigveda der Ursprung aller Dinge. Man soll also seinen Wünschen nachgehen, sie ausleben, um sie dann ziehen lassen zu können.

Den eigenen Weg finden: Dharma

Machen mich meine Wünsche abhängig? Dann führen sie mich weg von meiner Bestimmung, meinem Dharma. Dharma steht aber auch für Gesetz, Ethik und Moral im gesellschaftlichen und spirituellen Zusammenhang. Im Hinduismus sieht man den Dharma nicht nur als rituelle Handlungen im gesellschaftlichen Kontext, sondern vor allem als persönlichen Entwicklungsweg. Selbststudium (Svadhyaya) führt zur Unterscheidungsfähigkeit (Viveka) und zu Selbsterkenntnis. Aus dem richtigen Weg, der Befolgung des Dharmas, entsteht gutes Karma für dieses und die nächsten Leben. Wie erkenne ich mein Dharma? Man muss seine Pflichten im Leben selbst erkennen und befolgen und findet auch hierbei wieder Anregungen bei den Yamas und Niyamas. Übertragen auf unseren Alltag: Ich kann ein Ehrenamt ausüben, mein Können mit Leidenschaft auch mal kostenlos anbieten und anderen damit dienen.

Befreiung im Hier und Jetzt: Moksha

Moksha ist die Befreiung oder Erlösung zu Lebzeiten, wenn man alle Wünsche aufgeben kann. Materielle Dinge und die Anerkennung anderer Menschen machen einen nicht mehr glücklich und man erkennt, das man loslassen kann. Wunschloses Glück ist Freiheit, der Wunsch nach Freiheit bindet einen schon wieder, es bleibt also ein Wunsch übrig! Wie erlange ich also Wunschlosigkeit? Indem ich mich allein mit meinem Dharma beschäftige, erlange ich alle drei anderen Ziele mühelos im Vorübergehen. Andersherum ist Moksha nicht ohne Dharma zu erlangen. Doch durch mein Dharma bin ich ein Vorbild für andere, besitze klare Unterscheidungsfähigkeit, Vertrauen und Hingabe an das große Ganze, das Universum oder Gott. Dabei erwarte und erhoffe ich nichts für mich, die Motivation dahinter ist entscheidend. Im Wissen „alles ist gut, wie es ist“ findet der Geist Ruhe und Kraft.

Krishna sagt zu Arjuna in der Bhagavad Gita:
„Was Du auch tust, was du auch zu dir nimmst, was immer deine Gabe ist, was immer du spendest, welcher Praxis du auch folgst: Tu alles dies als Gabe für mich. So wirst du frei von den Fesseln des Karma, das gute und schlechte Früchte bringt. Ruht dein Geist im Yoga dieser Losgelöstheit, dann wirst du die Befreiung erlangen – du wirst zu mir kommen.“ (Übertragung Ralph Skuban)

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