Wenn Ahamkara oder Dämonen rufen

Ahamkara, den Ich-Macher, erkennen, dabei das Ego überwinden und die vermeintlichen Dämonen werden zu Freunden. Happy-End!

Sich seinen Dämonen stellen

Ahamkara ist unsere Persönlichkeit, in der Yoga-Philosphie kennen wir als den Ich-Macher. Er übernimmt die Kontrolle, wenn wir unbewusst sind. Um zu seinem inneren Selbst zu gelangen, müssen wir Ahamkara erkennen und statt seiner die Kontrolle übernehmen. Man muss erst sein Ego kennenlernen, um es überwinden zu können. Ken Wilber formuliert es so: „Du musst erst mal ein Ego haben, bevor du anfängst, es zu transzendieren.“ Dazu muss man sich seinen Dämonen stellen. Daimon, aus dem Griechischen, bedeutet eigentlich göttliche Macht oder Bestimmung. Auf sie konnte man sich verlassen und ihr vertrauen. So schreibt es auch Tsültrim Allione in ihrem Buch „Den Dämonen Nahrung geben“. Später erst wurden Dämonen zu etwas Üblem. Besser wegschauen oder sie unterdrücken.

Wenn Ahamkara oder Dämonen rufen

Wer sich besser kennenlernt, wird erfahren, das niemand von Dämonen frei ist. Jeder hat sie und ein Ego, das manchmal oder öfter Aufmerksamkeit will. Wenn wir erkennen, was sich gerade abspielt, können wir mit Mitgefühl auf unsere Mitmenschen reagieren und auch unseren Dämonen begegnen. Im Yoga gelangen wir über die Reinigung der Energiekanäle (Nadis) und das Anreichern mit Lebensenergie (Prana)zu Klarheit und Unterscheidungsfähigkeit (Viveka). Mit den Siegeln (Bandhas) können wir die Knoten (Granthis) lösen. Die Reihenfolge ist also Gesundheit und Stabilität, um dann mit der Energie die Transzendenz voranzutreiben. Ahamkara wird überwunden, aber deshalb verlieren wir nicht unsere Persönlichkeit. Wir werden einfach sanfter und demütiger, müssen nicht mehr jeden Kampf austragen.

Das Ego will immer höher, schneller, weiter

Dämonen können all das sein, was uns hindert, frei zu sein: Ängste, Krankheiten, Sorgen, Süchte, negative Gefühle wie Hass und Unzufriedenheit. Jeder hat davon einige, hoffentlich nicht alle. Wer die Augen vor diesen Schattenanteilen (nach C.G. Jung „der Schatten“) verschließt, füttert ihre negative Kraft. Sie werden dadurch stark und das widerspricht der gängigen (westlichen) Logik, den Feind nicht zu stärken! Nach der tibetisch-buddhistischen Logik: Wenn wir ihnen geben, was sie benötigen, fangen sie an, uns zu unterstützen und zu schützen. Denn um die Welt in einen friedlicheren Ort zu verwandeln, braucht es mehr Miteinander und Verständnis. Das hat Gandhi vorgemacht und es hat funktioniert!

Buddhistische Techniken zur Konfliktlösung

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„Den Dämonen Nahrung geben“ von Tsültrim Allione © arkana

So schreibt Tsültrim Allione in ihrem Buch „Den Dämonen Nahrung geben: Buddhistische Techniken zur Konfliktlösung“. Ich finde, da ist viel Wahres dran. Sie hat alte tibetisch-buddhistische Technik der Konfliktlösung aus dem 12. Jahrhundert wiederentdeckt und Übungen für uns Westler nachvollziehbar zusammengestellt. Die Autorin hat eine Fünf-Schritte-Technik entwickelt: Über die Identifikation und Visualisierung (Schritt eins und zwei) findet man heraus, was der Dämon braucht (Schritt drei). Im vierten Schritt folgt die Vorstellung der Fütterung des Dämons, um im fünften Schritt in stiller Meditation diesen neuen Zustand zu vertiefen. Sich mit seinen Schattenaspekten zu beschäftigen, kann tiefe Heilung bewirken. Jeder sollte sich damit befassen, da niemand von Traumata frei ist.

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