Yoga-Disziplin

Das Wort Disziplin kommt mir sehr preußisches vor. Ich denke an Drill, Strammstehen und Gehorsam. Das sind wichtige Eigenschaften für Soldaten, auch heute noch. Im Yoga gibt es auch Disziplin, das ist aber eher ein Dabeibleiben und nicht vorzeitig aufgeben, auch wenn es mal nicht so gut läuft. Die Disziplin bezieht sich beim Yoga auf alle Übungen, nicht nur auf Asanas (Körperübungen). Wie passt Disziplin mit Yoga zusammen?

Wenn es nicht so läuft, wie man möchte

Um sich der Essenz des Yoga zu nähern, sollte man regelmäßig üben, am besten täglich. Zu Beginn stellen sich schnell Änderungen ein, man wird im Körper und Geist flexibler, neugieriger, achtsamer und insgesamt ruhiger. An diesem Punkt wähnt man sich schon in heiterer Gelassenheit, nichts kann einen scheinbar aus der Ruhe bringen. Dieser Zustand kann einige Monate, Wochen oder nur anhalten, dann läuft es plötzlich nicht mehr ganz rund oder man zieht sich eine Verletzung zu, weil man es übertrieben hat. Das sind die Momente, in denen man erkennt, wie gelassen man wirklich ist: Meist gar nicht besonders. Dann muss man erst recht dran bleiben und hier setzt Disziplin ein.

 Freiwillige Intensität beim Üben

Wenn alles gut läuft, ist es einfach, Yoga (oder welcher Sache auch immer man sich verschrieben hat) zu üben. Dann passiert etwas Typisches: Es läuft anders als man denkt. Bei mir waren es doppelte Bandscheibenvorfälle, die mich zu einer anderen Herangehensweise zwangen. Dieser Zwang kann auch als Erkenntnisschub gewertet werden, nur versteht man das meist erst im Rückblick. Ich musste alles viel langsamer machen, etwas, dass ich in meinem Leben nicht gewohnt war. Auch mein Yoga war früher eher temporeich, nun musste ich Langsamkeit aushalten, üben und lernen sie in meinem Leben zu begrüßen. Das wollte mein Kopf erst nicht, nach und nach habe ich es erlernt und kann sie jetzt auch genießen. Vielleicht hatte ich nur Angst vor langsam=alt, was kompletter Unsinn ist. Heute weiß ich: Langsamkeit führt zu Weisheit und aus dem Üben entsteht eine freiwillige Intensität, etwas das man yogische Disziplin nennen kann. Es ist ein neugieriges, wissendes und erkennendes Üben, das zu blindem Gehorsam gar nicht passt. Die achtsame Praxis hinterfragt den Atem und die Ausführung der Übungen, ob sie einem gut tun. Mit freiwilliger Intensität beobachtet man den immer abschweifenden Geist und holt die Aufmerksamkeit zum Atem zurück. Das ist keine preußische Disziplin, sondern yogische – ein großer Unterschied.

Die Weisheit oder Essenz des Yoga: Langsamkeit & Ujjayi

Wenn man Schmerzen oder den Kopf voll hat, die Yoga-Praxis nicht richtig läuft und man unzufrieden mit sich ist, kann man versuchen, einen Gang zurückzuschalten. Dann hilft es, sich eine ganz einfache Übung vorzunehmen und sie langsam, und dann noch langsamer auszuführen. Dazu setzt man gezielt ein Pranayama, eine Atemtechnik ein, die automatisch zu mehr Konzentration führt: Ujjayi, der siegreiche Atem ist die tiefe Kehl-Atmung, die einen in Nullkommanix zur Ruhe bringt. Man lauscht dabei seinem eigenen Atem, der wie Ozeanrauschen klingt. Versuchen Sie es doch mal, wenn Sie gerade sehr aufgeregt oder angestrengt sind, vier Atemzüge lang vollständig in Ujjayi auszuatmen. Sie werden sehen, dass Sie danach viel ruhiger geworden sind.

Yoga-Disziplin: Atmen

In der Einfachheit liegt die Kraft des Yoga, die Essenz ist die Atmung. Sie verbindet die Übungen im Außen mit der Konzentration im Innen, die Wahrnehmung wird nach innen gelenkt. In den Übungen führt der Atem die Bewegung an: Der Einatem setzt ein und die Bewegung beginnt, die Bewegung endet und danach endet die Einatmung. Genauso mit der Ausatmung: Sie setzt ein und die Bewegung beginnt, die Bewegung endet und der Ausatem kommt danach zum Ende. Wenn man das gut beherrscht, kann man sich unangestrengt mit den Pausen zwischen Ein- und Ausatmung und zwischen Aus- und Einatmung beschäftigen. Beim Üben über einen längeren Zeitraum, lassen sich die Pausen sanft und passiv ausdehnen. Für einen neugierigen Forschergeist ein gefundenes Fressen! Das kann einen das ganze Leben beschäftigen, wird nie langweilig und der Atem und die Pausen sind jeden Tag neu und anders. Versuchen Sie es und berichten mir davon! Spannend, oder?

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