Hildegard von Bingen

Hildegard von Bingen war nicht nur Äbtissin, sondern auch Mystikerin. In Indien würde man ihre Qualitäten und Fähigkeiten bei Rishis oder Sehern finden.

Hildegard von Bingen

Hildegard von Bingen lebte von 1098  bis 1179. Sie war Benediktinerin und später Äbtissin in ihrem Kloster, Gelehrte und Dichterin. Die Kirche hat sie inzwischen heilig gesprochen und 2012 zur Kirchenlehrerin erhoben, aber ihre Fähigkeit Visionen zu empfangen, fand man nicht immer gut. Zu ihrer Zeit beriet sie hochgestellte Persönlichkeiten. Im Kloster wurde immer schon das Wissen der Welt aufbewahrt. Deshalb ist es nicht verwunderlich, dass eine gescheite, wissbegierige Frau sich damals Wissen aneignen konnte, dass nicht jedem zugänglich war. Hildegard von Bingen hinterließ viele Briefe und ein umfangreiches Werk über Religion, Ethik, Musik und Kosmologie. Nach 1150 verfasste sie medizinische Schriften über Pflanzen und Krankheiten: „Das Buch von den Geheimnissen der verschiedenen Naturen der Geschöpfe“.

Kräuterlehre der Hildegard von Bingen

Dieses umfangreiche Wissen kann man bis heute anwenden. Sie setzte immer wieder ihr Visionen als Beweis ein, da sie sich selbst als „unwissend“ bezeichnet. Hildegard soll ihre medizinischen, theologischen und kosmologischen Erkenntnisse in tiefer Meditation empfangen haben, wie die Rishis in Indien. (Die gängige Meinung damals ging davon aus, dass Frauen nicht zu eigenständigem Wissen gelangen könnten, sie seien dazu nicht in der Lage!) Ob Tee, Chai & Kräutertees oder Gewürze wie Bertram oder Galgant, sie setzte sie bei allen möglichen Erkrankungen ein und wir entdecken sie heute erst wieder neu. Über die Gewürzstraße kamen die Pflanzen als Pulver nach Mitteleuropa. Sie wurden in Suppen gekocht oder in Dinkel-, Weizen- oder Bohnenteig eingeknetet. Die Kranken erhielten die heilenden Gewürze als Suppe oder wurden als Brotkuchen in Wein getunkt gegessen. Das ist nicht so weit vom Ayurveda entfernt.

Hildegard und Ayurveda

Im Ayurveda bereitet man das Essen nach besonderen Verfahren zu. Die Ernährung wird passend zu den Bedürfnissen des jeweiligen Doshas, der jeweiligen Lebensphase und dem aktuellen Gesundheitszustand zusammengestellt. Die Zutaten, Kräuter und Gewürze fördern die Gesundheit und sollen ausgleichend wirken. Auch die Qualität der Zutaten (regional und bio bevorzugt) ist entscheidend. Ähnliche Erkenntnisse hatte auch Hildegard von Bingen. Sie kannte die elementaren Eigenschaften unserer Küchenkräuter und Heilpflanzen und setzte Diäten als Heilmittel ein. Sie behandelte nach der Drei-Säfte-Lehre von Hippokrates und Galen; übersetzt in Ayurveda steht Wind (Luft und Äther) für Vata, Galle (Feuer und Wasser) für Pitta und Schleim (erde und Wasser) für Kapha.

Hildegards Weltbild: „Wisse die Wege“

Ihr Weltbild schrieb sie in drei großen Werken nieder, deshalb weiß man heute noch so viel von Hildegard von Bingen: Ihr Hauptwerk nennt sich „Wisse die Wege“ in 26 Visionen. Es ist eine Glaubenslehre, in der sie das Menschenbild untrennbar mit dem Gottesbild sah. Ihr zweites Visionswerk ist das „Buch der Lebensverdienste“. Es beschreibt Hildegards Vorstellung von Lebensethik, vielleicht vergleichbar mit den Yamas und Niyamas des Yoga Sutra. Sie stellt darin 35 Laster vor und setzt ihnen entsprechende Tugenden entgegen. Das dritte Werk ist „Buch der göttlichen Werke“ zeigt ihren Blick auf die mittelalterliche Schöpfungsordnung.

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