Aparigraha: Mensch, sei genügsam

Yamas sind yogisch-ethisches Verhalten, Niyamas die persönlichen Beobachtungen. Zu den Yamas gehört auch Aparigraha, das Nicht-Greifen, Nicht-Horten oder, etwas weitergefasst, Genügsamkeit.

Aparigraha: Mensch, sei genügsam

Unter den fünf Yamas findet man neben Asteya, dem Nicht-Stehlen, auch Aparigraha, die Genügsamkeit, Bedürfnislosigkeit oder Bescheidenheit. Wörtlich übersetzt heißt es jedoch Nicht-Greifen. Das kann man als Steigerung von Nicht-Stehlen oder dem Nicht-Begehren eines anderen Besitz sehen: Beim Nicht-Greifen habe ich schon zu viel gerafft oder angesammelt. Dann sollte ich darüber nachdenken, warum und ob ich das ganze Zeug brauche. Allein der Gedanke, dass das alles irgendwo produziert worden sein muss, dass es zu mir transportiert wurde, kostet Ressourcen. Und ich muss es pflegen und dafür Zeit aufwenden. Aber zumindest nimmt es Platz weg. Aus einer Genügsamkeit heraus kann man also zwei der Yamas für sich klären. Bei Asteya geht es um den Besitz anderer, den wir respektieren sollen, bei Aparigraha um eine mengenmäßige Bescheidenheit.

Von Nicht-Begehren zu Brahmacharya

Im Grunde muss man die Yamas für sich erforschen und selbst auslegen. Man möchte über die Yamas und Niyamas eine innere Haltung der Genügsamkeit in allen Belangen erreichen. Gierig ist jeder, der zu viel von etwas anhäuft, dass er nicht verwenden kann. Wenn man genug Geld hat, kann man an Bedürftige etwas geben, wenn man Zeit hat, kann man einer alten Dame über die Straße helfen – da gibt es viele Möglichkeiten. Teilen ist ein Anfang, Ausmisten das Ziel. Je weniger man hat, umso freier kann man leben. Eine Eigenschaft einer anderen Person besitzen wollen, ist Begehren. Eine andere Person körperlich besitzen wollen, geht in Richtung Brahmacharya, das enthaltsame Leben. Es geht in allen Yamas also um eine freiwillige Selbstbeschränkung.

Brauche ich das wirklich?

Die Frage kann helfen, innezuhalten. Alles Haben-Wollen, alles Tun-Müssen wird auf Pause gesetzt, und man erforscht die Ängste, die hinter diesem Hamsterrad geschürt werden. Mit Yoga lernt man die eigenen Motivationen, Begierden und Ängste zu überprüfen, damit Ruhe und Frieden im Geist einkehren können. Mit Disziplin und Achtsamkeit wird man gelassener und erlangt wertvolle Erkenntnisse. Mit ein wenig Abstand lernt man über die Unterscheidungsfähigkeit, Bewertungen loszulassen. Man lässt sich auf die eigene Fülle und Kreativität ein und begehrt und „braucht“ nicht mehr viel. Das schafft Vertrauen ins Leben, man genießt die Wunder, die sich einem dadurch offenbaren.

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